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Veröffentlicht am 21.01.2017 von nemesis

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Hammerfall

Der erste Reifeprozess

Die Meinungen zu Hammerfall gingen von Anfang an mehr als nur ziemlich auseinander. Die einen standen von der ersten Sekunde an voll hinter der Band und sahen sie als Wiederbeleber des Heavy Metal schlechthin. Andere sahen den steilen Werdegang der Schweden als Mega-Hype ? Ja ‚much ado about nothing‘. Jedem seine Meinung, aber eines musste man den Jungs neidlos lassen. Auch auf dem damals dritten Output Renegade waren keine Songs nicht von schlechten Eltern vorhanden und zeigte dieser die Band auch irgendwie um ein ganzes Stück reifer. Und man kaufte Joacim Cans seine Einstellung zur Musik wirklich zu jeder Zeit ab.

Fällt der Name Hammerfall nicht in Bezug auf die Band selbst, dann spätestens, wenn eine neue Combo an die Oberfläche plumbst und in etwa in dieselbe musikalische Richtung tendiert. Dann wird ganz fleißig verglichen.

Was ein Quatsch

„Jeder Musiker, der behauptet, von Hammerfall beeinflusst zu sein, ist im Endeffekt vom Heavy Metal der `80er Jahre beeinflusst. Das war auch unser Ausgangspunkt, aus dem heraus wir versucht haben, unsere eigene musikalische Persönlichkeit zu entwickeln. Wenn man bereits vorhandene Sachen mit eigener Identität verbrät, geht das doch in Ordnung. Irgendwie ist es wie beim Sport: Man hat Vorbilder.

Irgendwie ist es wie beim Sport: Man hat Vorbilder

Bei mir waren das Bruce Dickinson, Rob Halford und Geoff Tate. Ich wollte immer so singen wie sie. Aber irgendwann begreift man, dass es all diese Leute nur einmal gibt. Dann ist es Zeit, seinen eigenen Weg zu gehen. Ich sing` jetzt halt einfach drauf los – so wie ich es eben kann. In erster Linie muss ich mit dem, was ich tue, zufrieden sein. Dann die Fans.“

Zauberwort: Debut

Der Sänger war sich allerdings auch stets bewusst, dass der Erfolg, den Hammerfall bisher einheimsen konnten, zum Großteil auf der euphorischen Reaktion der Presse auf das `97er Debut Glory To The Brave beruhte. „Wenn die Presse damals nicht so auf diese Scheibe abgefahren wäre, hätten wir es mit Sicherheit viel schwerer gehabt, dorthin zu kommen, wo wir nun sind. Wir hätten eindeutig nicht so viele Fans erreicht.

Dadurch konnten wir uns einen Namen machen. Mittlerweile kennen uns die Metaller und wenn wir nun mal einen Verriss in der Presse ernten, werden sich diese Fans dennoch die Platte anhören und dann selbst entscheiden. Ich finde allerdings auch, dass es ein Fehler ist, verschiedene Scheiben einer Band miteinander zu vergleichen und daraus ein Urteil zu fällen. Eine neue CD ist eben eine neue Scheibe und kein Aufguss alter Songs. Klar wäre es jetzt totale Scheiße, wenn eine neue Hammerfall-Veröffentlichung auf einmal Pop wäre.

So muss es ja nicht ausarten, selbst wenn das Material gut wäre. Da sollte dann wohl ein anderer Name her. Man sollte, wenn man als sich als Musikkritiker an seine Arbeit macht, eine CD oder eine Band danach beurteilen, wie nahe sie ihren selbstgesteckten Zielen kommt und nicht nach dem eigenen Geschmack.“ Den Plan, die Band mit Virgin Stelle auf Tour gehen zu lassen, schien allerdings doch etwas schräg.

Der Musik Zeit geben

„Es wurde auch noch eine zweite Support-Band für diese Tour gesucht. An allererster Stelle waren wir aber nun gespannt, wie sich das Album verkaufen würde, wie es die Fans annehmen werden. Zudem finde ich auch, dass diese Scheibe erwachsener klingt. Das ist überhaupt eine Sache, für die man Musiker Zeit lassen sollte: Zu wachsen und zu reifen. Ein Gericht serviert man auch erst, wenn es fertig ist.“ Im Gegensatz zu den beiden Vorgängeralben befand sich auf Renegade keine Cover-Nummer.

Im Gegensatz zu den beiden Vorgängeralben befand sich auf Renegade keine Cover-Nummer

Wenn Covers denVorzug bekommen

Nach den ganzen Tribute-Scheiben wohl keinen Bock mehr gehabt, was?! „Ich könnte die ganze Zeit Songs nachspielen, das gefällt mir. Ich denke aber, dass wir diesmal genug starke eigene Songs hatten, um nicht auf irgendeinen nachgespielten Songs ‚zurückgreifen‘ zu müssen“, gibt sich Joacim fast schon erschreckend ehrlich. Außerdem hat es langsam genervt, denn wenn wir zu unseren Scheiben gefragt wurden, haben die Leute teilweise mehr über die Cover-Version gesprochen als über unser eigenes Material. Geht man unsere drei Scheibchen durch, kristallisieren sich die Unterschiede sehr schnell heraus:

Das Debut hat eine Menge Spaß gemacht, aber wir hatten einfach keine Zeit für eine bessere Produktion. Beim Zweitling hatte ich das Gefühl, den Gesang besser machen zu können, aber ich wusste ehrlich gesagt, nicht wie. Diesmal bin ich richtig zufrieden, allein wegen der gelungene Produktion. Wir wollten weg von diesen getriggerten Drums, die für uns einfach plastisch, unnatürlich klingen. Wenn ich von mir als Zuhörer ausgehen, zerflücke ich Musik nicht in Einzelteile, wo ich sage, was gut und was scheiße ist. Für mich ist das Gesamtbild entscheidend. Das ist wie bei Schokolade:

Die einzelnen Zutaten schmecken einfach scheußlich, aber alles zusammen kann etwas sehr feines ergeben – das kann natürlich auch umgekehrt der Fall sein. Ich finde eine gute Produktion enorm wichtig, da Songs dadurch einfach passender zur Geltung kommen. Aber ich gehe sicher nicht so weit zu sagen, dass eine gute Abmischung aus Mist Gold macht oder andersherum.“

Top Five

  1. Demon: The Unexspected Guest
  2. Queensryche: Operation: Mindcrime
  3. Riot: Fire Down Under
  4. Judas Priest: Painkiller
  5. Dream Reaper: Rock Me To Hell

photocredit: By P. Schwichtenberg (Own work) [CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons

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