Interviews

Veröffentlicht am 09.05.2016 von nemesis

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Dream Evil über das zweite Album

Aus kontrolliert metallischem Anbau

Dieser Haufen erregte schon mit dem Debut Dragonslayer eine Menge Aufmerksamkeit in der Szene und mit dem Zweitling Evilized deklassierten Dream Evil den Großteil der Metal-Bands locker. Gitarrist Gus G., übrigens ein mehr als fleißiger Musikus, hatte zwar noch nicht viele Reviews gelesen, schließlich war die Scheibe zu diesem Zeitpunkt auch noch nicht so lange bei den Journis auf dem Tisch, war aber schon ganz happy. Zumal auch nach dem Debut alles besser lief, als es sich die Band erträumt hatte. „Mit der zweiten Platte ging nun alles derart schnell, dass ich selbst noch gar nicht mitkomme. Zwei Wochen, nachdem wir aus dem Studio kamen, habe ich bereits die ersten Kritiken gelesen.

„The Ballad“

Nachdem sich mit dem ersten Album alles ein wenig hingezogen hat, bis alle in trockenen Tüchern war, ist das schon fast ein Schock für mich, hehe.“ Wie Gus erzählte hatten er und seine Kollegen auch eine absolute Unmenge an Material, als sie direkt nach ihren Live-Aktivitäten ins Studio wanderten. Und die fanden in Japan statt – also die Tour ;o) „Wir hätte nie gedacht, dass wir so schnell nach Japan zum Spielen kommen würden, andere Bands brauchen dafür Jahre. Als wir 1999 mit Dream Evil starteten, dachten wir uns ´okay, lasst uns ´80er Metal machen und Japan stürmen´… aber dass wir gleich mit der ersten Scheibe dort landen würden…“

Nicht immer nur Drachenzeugs

Auch wenn die neue Platte der Metalheads die Kombination aus Hardrock- und Metal-Elementen noch mehr verstärkt zeigt, sieht Gus das Scheibchen auch ein wenig experimenteller an. Was immer das in seinen Augen auch heißen mag. „Nun, das Album ist ohne Frage traditionell, aber dennoch haben wir mehr Abwechslung und auch einige neue Ideen mit drin, die auf dem Erstling nicht zu finden sind. Diesmal wollten wir auch nicht mehr auf dieses Drachenzeugs zurückgreifen, sondern etwas Düsteres abliefern. Ob etwas neu und experimentell ist, ist nicht eine Frage des Nutzens moderner Soundtechniken, sondern der Kombination, der Zusammenstellung. Einige Melodien wirken sicher auch poppig, manche Momente sind wieder ungewöhnlicher.“ Im Grunde und absolut unverkennbar ist Evilized aber Metal.

„Ich danke Gott, dass ich nicht normal bin“

Nachdem Dream Evil auf dem Debut bereits mit „H.M.J.“ (Heavy Metal Jesus) und „Metal In The Night“ zwei wahre Hymnen servierten, gibt es auch diesmal wieder einen Song, der mehr einem Statement gleicht: „Made Of Metal“. „Ja, der Songs sagt eigentlich alles. Wir hatten noch einen anderen in dieser Richtung („Let´s Do Rock“), der aber für die Platte auch wirklich zu rockig war und daher auf der Japan-CD als Bonus erscheinen wird. Ich finde, solche Songs bringen gute Vibes, machen Laune und geben Kraft. Als hingebungsvoller Metalhead kann man sich mit solchen Texten auch vollkommen identifizieren. Ich danke Gott, dass ich nicht normal bin, hehe.“

„The Book Of Heavy Metal“

– Als Zitat bzw. Überschrift: „Lebt euer Leben und eure Träume. Wenn diese Träume dann Zerstörung oder ähnliches bringen… sorry, aber das ist dann verdammt krank.“

Und das ist für Gus auch die Grundaussage von Metal: „Folge deinen Träumen. Es gibt leider immer zwei Seiten. Zum einen sollte jeder sein eigenes Ding machen, zum anderen brauchen immer irgendwelche Leute Schafe, die ihnen folgen. Ich sage zu unseren Fans und meinen Gitarrenschülern immer, sie sollen ihren eigenen Träumen und Ideen folgen. Wenn du Metal sein willst, sei Metal. Ich versuche auch genau das durchzuziehen. Natürlich soll dieses „Tu, was du willst“ nicht heißen, dass irgendwer Leute killen soll. Lebt euer Leben und eure Träume. Wenn diese Träume dann Zerstörung oder ähnliches bringen… sorry, aber das ist dann verdammt krank. Wir sprechen nicht von Politik, sondern von Freiheit. Viele sind in ihrem Leben kreuzunglücklich, weil sie sich ständig dem beugen, was andere wollen.“

Das hat allerdings zwei Probleme zugrunde: Zum einen trauen sich viele nicht, so zu sein, wie sie gerne möchten oder ihren Idealen zu folgen. Wieder andere trauen sich, aber es wird von der Umwelt nicht akzeptiert und man kriegt ständig eins auf den Deckel. Wobei das mit dem Deckel eine Sache ist, die Gus bezüglich einer anderen Thematik gern ein wenig sehen würde.

Qualitätskontrolle für die Metalszene

„Sicher darf jeder, der Musik machen will, es auch tun und sich an einer Platte oder bei einem Label versuchen. Doch meiner Meinung nach fehlt in der Szene eine Art Qualitätskontrolle. Hammerfall kamen und vier Wochen später standen x Bands auf der Matte, die den gleichen Stil vertreten wollten, nur eben um einiges schlechter. Jeden Monat liest man in den Magazinen, was das nächste große Ding ist oder wird, welche Stilistik. Die Labels signen dementsprechend alles, was sie finden können. Das macht die Leute doch total wirr im Kopf. Dabei sind junge Künstler auch so gierig und scharf auf einen Deal, dass sie jeden Müll-Vertrag annehmen. Über solche Dinge, das Musikbusiness will ich eigentlich gar nicht nachdenken, aber man kommt nicht umhin.“

„The Chosen Ones“

Der Erfolgszug von Dream Evil scheint so schnell nicht abzureissen, denn neben einigen Festivalveranstaltern, die die Combo unbedingt haben wollen, gehen die Jungs nun im Januar/Februar erst einmal mit Hammerfall und Masterplan auf Tour. „Ich kann das alles noch gar nicht glauben. Allein die angesprochene Tatsache, dass wir in Japan touren konnten und dort wirklich eine Menge Erfolg hatten: Vielen Künstlern, die dort erfolgreich waren, geht es zur Zeit gar nicht mehr so gut in Japan, wie etwa Yngwie Malmsteen, was ich schade finde. Wir haben dort sogar mit meiner anderen Band, Firewind, sehr gut verkauft. Anscheinend stehen die Japaner nicht mehr so auf den neo-klassischen Gitarrenheavy.“

Ein wenig pseudo-traurig wird der Grieche allerdings, als er auf das Material von „Evilized“ zu sprechen kommt. „Wir hatten, als wir nach der Tour wieder zusammenkamen, an die 22 Songs – Songs, die aus dem Nichts entstanden waren. Natürlich konnten wir die nicht alle auf die Scheibe nehmen und so sind einige rausgeflogen. Auch welche von mir, schnief“, jammert und lacht. „Ich kann mir aber gut vorstellen, dass wir irgendwann eine Platte veröffentlichen, die genauso solche Tracks beinhaltet, denn schlechter als das aktuell vorliegende Material waren diese Stücke auch nicht. Zudem finde ich auch, dass bei Bands neue Songs zählen sollten und nicht Bonusstücke oder Cover-Versionen. Ich habe die neue Live-Doppel-CD von Uli Jon Roth gehört: „Doctor Doctor“ zum 40sten Mal – wer braucht das?“ Das sollte der gute Gus mal einigen großen Combos stecken. Hüstl.

Album Dragonslayer

Zwar haben Dream Evil die letzten Jahr keine neuen Platten herausgebracht, doch live aktiv ist die Band nach wie vor. Warten wir´s also ab, wann es wieder knallt. Und wie wir alle wissen, räumt Gus G. ja mittlerweile die Metal-Szene mit einem eigenen Baby auch noch auf.

Gründungs-Line up:

Gesang: Niklas Isfeldt
Gitarre: Fredrik Nordström
Gitarre: Gus G. (bis 2004)
Bass: Peter Stalfors
Schlagzeug: Snowy Shaw (bis 2006)

Aktuelles Line up:

Gesang: Niklas Isfeldt
Gitarre: Fredrik Nordström
Gitarre: Mark U Black (bis 2007, seit 2013)
Bass: Peter Stalfors
Schlagzeug: Pat Power (seit 2006)

Alben:

2002 – Dragonslayer
2003 – Evilized
2004 – The Book of Heavy Metal
2006 – United
2010 – In the Night

EPs / Livealben / Kompilationen:

2003 – Children of the Night (MCD)
2004 – The First Chapter (EP)
2008 – Gold Medal in Metal (Alive & Archive)

photocredit: By Anchjo (Own work) [Public domain], via Wikimedia Commons

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