Interviews

Veröffentlicht am 22.11.2015 von nemesis

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Interview Elegy

Meldung an das Label?

Eigentlich dürften Fans der Band ja schon alles zur neuen Elegy-Platte wissen, ließ Forbidden Fruit, so der Titel des Silberlings, doch ganz gehörig aufhorchen. Andererseits schien Das Thema der Platte für Sänger Ian Parry schier unerschöpflich und das Album zeugte auch von einem enorme wichtigen künstlerischen Abschnitt. Mit Patrick Rondat, der schon bei Jean Michel Jarre die Klampfe bediente und auch solo unterwegs war, hatten Elegy einen neuen Mann an Bord, den man auch gleich in die Interview-Jobs miteinbezogen hatte.

Lustig war an dieser Platte nur, dass zum Beispiel selbst das Label Noise Records erst superkurz vor dem Release vom neuen Gitarristen erfuhr. „Wir haben es niemanden wissen lassen, nicht einmal dem Label. Hätten diese News die Runde gemacht, wären wahrscheinlich wieder eine Menge Gerüchte und sonstige Spekulationen in Umlauf gekommen. Auf diese Art konnte nur keiner im Vorfeld anfangen zu motzen. So nach dem Motto:

Neuer Gitarrist = neue Mucke

Das wollten wir vermeiden. Ich habe mit Ian bereits an der Consortium Project-Scheibe gearbeitet, aber das Angebot bei Elegy einzusteigen, kam doch sehr überraschend. Aber das war wohl auch gut so, denn hätten mich die Jungs früher gefragt, kann ich mir vorstellen, dass es schwieriger geworden wäre. In der Band, in der ich zuvor war, war ich der zweite Gitarrist in der Mannschaft. Und nun muss ich den Job ganz alleine machen. Nachdem sich alles aber recht kurzfristig entwickelt hat, wurde es für mich zu einer Herausforderung und hatte nicht in erster Linie mit Druck zu tun“, erklärt Patrick.

Im Vergleich zu seiner bisherigen Arbeit, vor allem auch mit Jean Michael Jarre, sieht der Franzose einige gravierende Unterschiede. „Bei Jean Michael spielen die Gitarren nur eine Nebenrolle, sie dienen mehr als Untermalung der Arrangements, sollen ein wenig für die Melodien mitsorgen. Wenn ich das mit Elegy vergleiche, geht es jetzt um einiges rhythmischer zur Sache, wobei wir hier auch die Betonung gelegt haben, nicht auf x Frickeleien. Ich habe für Forbidden Fruit viel mit unserem Drummer zusammengearbeitet.

Basteleien an der Front

Die Sache mit Jean Michael war eine Erfahrung in meinem Leben, er ist auch noch ein guter Freund von mir. Was ich selbst mit meinen Solo-Sachen anstelle, sehe ich irgendwo in der Mitte zwischen diesen beiden Seiten. Die Vocals spielen hierbei lang keine so große Rolle wie bei Elegy. Gute Gesangslines unterzubringen gestaltet sich bei diesem Material ein wenig schwierig, da die Songs eh schon sehr kompakt sind, und zum anderen sind die Tracks nicht sonderlich heavy, verfügen aber über recht ausufernde Instrumental-Melodien.

Ich möchte diese Seite an mir, meine Solo-Karriere, auch weiter pflegen, da ich das einfach brauche.

Ich möchte mich auch auf diese Art ausdrücken können.“ Aber an einigen Songbeispielen lässt sich auch erkennen, dass selbst bei sehr dominanten Gitarren- oder Keyboard-Lines durchaus Gesang im Bereich des Machbaren ist, kann man doch auch die selbe Melodie für Instrumente und Gesang verwenden, was in einigen Fällen super funktioniert und die Tracks noch kompakter erscheinen lässt. „Sicher ist das eine Möglichkeit, zu arbeiten.

Gefrickel hinten anstellen, bitte

Leider geht diese Rechnung nur nicht immer auf. Hin und wieder passen Melody-Lines sowohl super zur Stimme als auch zu einem Instrument. Und in anderen Fällen klingt es einfach grausam“, lacht Patrick. Aber kommen wir doch mal zur neuen Scheibe: Ian Parry zufolge sollte Forbidden Fruit wie eine der ersten Elegy-Scheiben klingen: Prog weg und Speed her. Zum Teil ist es auch so, allerdings bei Weitem nicht so extrem, wie man nach Ian´s Worten vielleicht annehmen mochte. „Wir wollten den neuen Output auf jeden Fall heavier und geradliniger gestalten als die beiden Vorgänger.

Die Nachfrage der Fans nach flotteren Nummern war einfach sehr groß. Sicher kann man Forbidden Fruit keinesfalls als derart speedig bezeichnen wie die ersten Platten der Band. Die Mischung aus beiden Elementen war uns wichtig, eine gelungene Kombination aus alten und neuen Elegy. Ich selbst mag das ältere Material der Band total gern, auch wenn ich nicht jeden Song in und auswendig kenne.

Man muss auch sagen, dass es gar nicht so leicht ist, neue Elemente in den Speed Metal miteinzubringen, da es eben eine sehr traditionelle Richtung ist.

Auch mal umdenken

Noch dazu tun sich manche Fans schwer, sich für neue Stile oder neue Elemente in einem Stil zu öffnen. Das ist immer eine schwierige Situation für einen Musiker: Einerseits möchte man ja so gut es geht auf seine Fans Rücksicht nehmen, andererseits hat man eben auch seine eigenen Vorstellungen, was man machen möchte und was einem gefällt. Ich finde zum Beispiel, dass man auch im Speed Metal versuchen kann, neue Melodien und Harmonien unterzubringen.

Also, nicht wirklich neu, sondern bisher eben ehr untypisch. Auch muss man Tempo im Drum-Bereich nicht immer mit Double-Bass unterstreichen. Diese Akzente und Dynamik kann man auch anders erzeugen. Wobei man vielleicht Dynamik im Metal auch nicht mit Speed gleichsetzen kann.“ Neben der Bereitschaft, Neues auszuprobieren, ist es in Patrick´s Augen ebenso wichtig, an erster Stelle die eigene Persönlichkeit in die Musik einzubringen.

„Ich selbst habe zum Beispiel absolut kein Interesse daran, auf Klischees herumzureiten. Nehmen wir nur mal Yngwie Malmsteen: Er ist ein genialer Musiker, aber um ehrlich zu sein, finde ich, dass sich alles gleich anhört. Man erkennt in der Stilistik oder Entwicklung keine oder kaum Unterschiede von den ersten Scheiben bis zu den letzten wie Alchemy. Man sollte erst als Persönlichkeit wachsen, dann als Musiker. Man kann Erfolg auch dadurch haben, wenn man mit sich und der Umwelt im Reinen und glücklich ist.

Über den Tellerrand der Musik hinaus

Sicher kann man nicht mit allen gut Freund sein, man kann aber versuchen, sich mit allen Menschen, mit denen man zu tun hat, so gut als möglich auseinander zu setzen. Man kann dadurch nur lernen. Es ist eine Menge Arbeit, aber es lohnt sich. Das Wichtigste im Umgang mit anderen ist Respekt. All diese Erfahrungen kann man als Künstler in die Musik miteinfließen lassen. Und genau das macht dann einen Song zu etwas besonderem.“

photocredit: http://www.metal-archives.com/images/5/9/0/590_photo.jpg?4614

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