Interviews

Veröffentlicht am 25.11.2015 von nemesis

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Interview Angel Dust

Schande über dich – die Band über On Human Bondage

Samt neuem Gitarristen (Ritchie Wilkison) und ehemaligem und neuem Drummer (Dirk Assmuth) im Gepäck haben die deutschen Metaller eine sehr überraschende Platte zusammengezimmert: Härter, rauher, kompromissloser und dennoch mit den typischen Angel Dust-Trademarks versehen spielt sich die Platte On Human Bondage in das Herz eines jeden anständigen Metallers. Und die Band selbst ist damit hochzufrieden, wie Sänger Dirk Thurisch gutgelaunt erzählt.

„Genau dieser Sound war auch unser Ziel. Das neue Material sollte grooviger und auch eckiger sein. Geradliniger. Wir waren auch diesmal wieder in unserem Stammstudio. Dort weiß man mittlerweile, welchen Sound wir brauchen, haha. Dieses Studio bietet sich natürlich auch aus dem Grund an, dass wir alle aus der Umgebung kommen.“ Den neuen Klampfer haben die Jungs auf der vorhergehenden US-Tour kennengelernt – und man hatte gleich einen guten Draht zu einander.

Songwriting auf Distanz

„Gut, die Entfernung ist schon dumm. Ich habe eine Menge der neuen Songs auf der Gitarre geschrieben und sie mit der kompletten Band geprobt. Und dann kam Ritchie samt seiner Ideen dazu. Er kam nach Deutschland und in zwei Wochen haben wir die erste Fassung des Materials aufgenommen. Recht viel Zeit war das nicht gerade. Alles in allem haben wir wenig nachgedacht wie das Material klingen soll. Es war mehr eine emotionale Sache – eben aus dem Bauch.

Natürlich war die kurze Zeit, die wir hatten um mit Ritchie an den Songs zu arbeiten, auch ein Grund dafür. Wir haben uns gesagt ‚gut, den Rest machen wir halt im Studio’.“

Crazy in den Staaten

Wie Dirk ‚bekennt’ war die ganze Band nach den Gigs in den Staaten ziemlich aufgekratzt und crazy unterwegs. „Wir wollten nur noch rocken. Wenn ich Songs schreibe, stell` ich mir auch vor, wie sie live wirken. Und es hilft halt nichts, wenn Stücke zwar auf CD gut kommen, aber auf der Bühne der Funke dann nicht überspringt. Zu unseren vorhergehenden Platten habe ich derzeit keinen so großen Bezug mehr – mit On Human Bondage bin ich vollends zufrieden.“ Nach dem Besetzungs-Hin-und-Her haben Angel Dust sich aber Positives redlich verdient. Erst verließ Drummer Dirk Assmuth die Band, dann war Gitarrist Bernd Auffermann auf einmal nicht mehr dabei und Dirk kehrte wieder zurück.

Wer gehört zur Band und wer nicht

„Teilweise wussten wir selbst nicht mehr, wer nun zur Band gehörte und wer nicht. Wir hatten nach Dirk zwar einen sehr guten und auch netten neuen Drummer, aber irgendwie war das nicht das richtige für Angel Dust. Wir gehen unseren Weg und Bernd seinen. Es gibt kein böses Blut, aber so ist es besser.“ Bereits vorher gab es bei Angel Dust eine Menge Chaos hinsichtlich des Line-ups. Gab es mal die Angst, das könnte nun auch wieder losgehen? „Nö, überhaupt nicht. Wir haben von Anfang an mehrmals die Woche geprobt und die Sache ernst genommen. Dabei denken wir aber nicht daran, dass wir unbedingt von heute auf morgen Superstars werden müssen.

Mal hat man gute Ideen, mal auch einen beschissenen Tag, an dem eben nichts funktioniert. Das darf man nicht so verbissen sehen. Jetzt haben wir eine Menge Spaß und gehen die Klamotte relaxed an. Wir hatten eigentlich auch keinen Druck, dass wir so und so zu klingen hätten. „Bleed“, „Nightmare“, „I Need You“ und „Cross Of Hatred“ kommen bei unseren Fans gleich gut an, obwohl sie an sich sehr unterschiedlich sind.

Eigentlich konnten wir alles machen. Mal rockt es mehr, dann ist ein Song wieder härter oder balladesker.“

Durchfallen oder nicht

Doch gibt Dirk auch zu, dass man dennoch die Reaktion der Hörer vorher nie abschätzen kann. „Es geschieht durchaus, dass man selbst von einem Album tausendprozentig überzeugt ist, es aber bei den Hörern durchfällt. Andererseits kann es auch sein, dass man sich seiner Sache nicht so sicher ist und die Platte aber zum absoluten Knaller gerät.“ Der Sänger scheut sich auch nicht, zuzugeben, dass im Hause Angel, oder besser gesagt im Hause Thurisch, auch mal HIM angesagt ist. „Ich mag auch straighte Musik, wie sie zum Beispiel HIM machen. Ich kann mich noch genau erinnern, wie „I Need You“ entstanden ist. Steve (Banx, keys) und ich waren allein im Proberaum und Steve spielte irgendwas.

Ich sang dazu…. und so kam dieser Song zustande. Solche Songs sind oft die besten. An manchen Songs haben wir hier und da noch ewig rumgefeilt. Wir haben uns regelrecht den Arsch aufgerissen. Und am Ende ist man oft zu perfektionistisch. Wir sind keine Band, die sehr progressive unterwegs ist. Ich höre zwar Symphony X oder Dream Theater auch – aber eben auch aus Sicht eines Musikers. Wenn in einem Song ein 5/8-Takt verwendet wird, kann ich das erkennen. Ein normaler Hörer, der selbst keine Musik macht, weniger. Wir haben auf dem letzten Prog Power-Festival gespielt und haben richtig gemerkt, dass die Leute rocken wollten.

Rock contra Prog

Aber mit all den Progressive-Combos ging das halt nicht. Nevermore hingegen sind eine Band, die ich sehr mag. Sie machen anspruchsvolle Musik und verwenden auch mal progressive Elemente, haben aber dennoch Groove. Außerdem sind es coole Jungs“, lacht der Fronter. „Leider gibt es nicht viele Formationen, die Qualität und potentielle Ohrwurm-Melodien verbinden können. Ich mochte Helloween früher auch, keine Frage. Aber wenn heute auf einem Sampler jede zweite Band mit einem Opern-Barden ankommt, finde ich das nicht mehr besonders aufregend. Manche dieser Bands sind wirklich gut – aber in dieser Masse ist es mir zuviel. Und auch wenn Limp Bizkit Rap-Parts in ihren Stücken haben: Ich finde die Jungs ganz gut.

Metal-Verbote

Sie haben eine gute Produktion und auf heruntergestimmte Gitarren stehe ich eh total. Ich sehe das auch nicht unbedingt als Nu Metal. Aber mittlerweile gibt es eh derart viele Stilbezeichnungen…“ Und die Leute lassen sich gerne davon führen. „Wenn etwas gut klingt und groovt, ist es mir egal, wie man die Musikrichtung nennt. Früher ging man an einem Tag zu einem Scorpions-Konzert, am nächsten Tag zu Iron Maiden und das nächste Mal zu Slayer. Man hatte so gesehen Softrock, Heavy Metal und so etwas Hardcore. Genau daraus entstanden aber auch die Kutten. Wenn heutzutage jemand das Gleiche macht und zu den unterschiedlichsten Konzerten geht, wird er schief angesehen. Ich war auch schon auf Hardcore-Konzerten aber: Ups, das darf ich als Metaller ja eigentlich gar nicht“, witzelt Dirk.

„Das Lustige ist, dass sich viele Leute outen, wenn man ins Gespräch kommt. Einmal habe ich mich mit jemandem über A-Ha unterhalten und mein Gegenüber erzählte mir, er habe früher Schlager und ähnliches Zeugs gehört. Ich frage mich oft, weshalb man sich dafür schämen soll, wenn man auch auf andere Musikrichtungen steht oder stand.“ Muss ja keiner. Diesen Kram haben wohl ein paar Die-Hard-Metaller erfunden, die weniger Metal als verbohrt waren. Starke Männer hören keinen Pop und Metal-Mädels sind eh Mitläufer. Gurgl.

Auch mal andere Mucke

„Ganz ehrlich: Viele hören von morgens bis abends nur das Gleiche. Und genauso klingen sie dann auch als Musiker. Offen zu sein und sich neue Inspirationen und Einflüsse zu holen, ist für Musiker enorm wichtig. Wer sich nur auf sein eigenes Ding konzentriert, verliert irgendwann den Bezug nach außen.“ Wobei sich in diesem Fall dann die Frage stellt, wie man ohne diesen Bezug Musik präsentieren soll, die die Leute berührt. Aber auch älteres Material kann für einen Künstler nach Jahren noch seinen Reiz haben.

„Ich höre mir durchaus auch gern ältere Scheiben an. Durch die kann man genauso geile Ideen bekommen. Ich fand Savatage eine ganze Zeit lang obergenial, aber bei denen herrschte auch nur noch Besetzungschaos.“

Als wir in Wacken spielten, waren wir übrigens morgens schon dort. Ich habe mich noch kurz aufs Ohr gelegt, als Steve ankam und meinte ‚hey, dort drüben sind Savatage’. Ich bin natürlich sofort rübergelatscht und habe mich mit den Jungs total gut unterhalten. Chris (Caffery, Gitarrist von Savatage) ist auch ein sehr aufgeschlossener Typ und wollte eine CD von uns. Abends habe ich noch mit Jon (Oliva – der Herr bedarf wohl keiner weiteren Worte, oder?!!!) gesoffen, hehe. Irgendwann kam Chris und meinte, Jon solle sich jetzt auch mal auf den Weg Richtung Bett machen. Jon war sauer und hat leise vor sich hingemeckert. Er wollte halt einfach feiern.“ Eine Seite, die an Jon Oliva wahrscheinlich kein Mensch kennt. Hüstl.

photocredit: http://www.metal-archives.com/bands/Angel_Dust/215

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