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Veröffentlicht am 23.11.2015 von nemesis

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Interview Iron Maiden

Iron Maiden zu Live At Rock In Rio – Die moderne Versuchung?

Mit Live At Rock In Rio zur Doppel-Live-CD der Briten…. wer jetzt die Augen verdreht, weil sich die Frage aufdrängt, ob es nicht schon genug Live-Platten der Metal-Heroen gibt, sollte sich vor Augen führen, dass die letzte Live-Platte von Iron Maiden davor doch schon einige Zeit zurück liegt. An die 15 Jahre lagen dazwischen….. Und natürlich lag es auf der Hand, dass sowohl Sänger Bruce Dickinson als auch Gitarrist Jannick Gers als allerliebstes erst mal über die Langrille sprechen wollten.

„Nach der Rückkehr von Bruce und Adrian Smith (guit) ist diese Platte ohne Zweifel ein wichtiger Schritt für uns. Vergleicht man Live At Rock In Rio mit den vorhergehenden Live-Platten, erkennt man ohne weiteres auch Unterschiede. Wir haben uns als Band stets weiterentwickelt“, plaudert Jannick drauflos. „In der Zeit zwischen der neuen Platte und den älteren Live-CDs hat sich zudem einiges an neuem Material angesammelt.“

Manche Songs müssen immer sein

„Um die älteren Songs, wie Hallowed Be Thy Name“, „Fear Of The Dark“ oder auch „Number Of The Beast“ werden wir nie herumkommen”, gibt Bruce zu. „Doch ist es uns als Band wichtig, nicht nur ständig das gleiche runterzuspielen. Wir haben neue Songs, haben uns weiterentwickelt. Und das sollen die Fans auch live erkennen.“
„Musikalische Entwicklung geht in unserem Fall mit der persönlichen konform. Man sieht Neues, erlebt Neues… das lässt einen auch als Künstler weitergehen. Und auch wenn wir Iron Maiden sind, hat es sich nicht damit, sich auf den früheren Erfolgen und den Songs dieser Zeit auszuruhen. Das würde auch nicht unserer Art entsprechen. Und ganz ehrlich“, fügt der Klampfer an, „Bruce singt heute besser denn je.“ Und vergleicht man die damaligen Aufnahmen mit dem aktuellen Album Book Of Souls, hat auch die überstandene Krebs-Behandlung den Stimmbändernd es Goldkehlchens nicht einen Deut geschadet.

Never Stop Rock & Metal

Ob man nun den nach wie vor ungebrochenen Reiz von Klassikern wie den oben angesprochenen und auch jenen anderer Bands als Zeichen sehen kann, dass Heavy Metal und Rock´n´Roll wohl niemals von der Bildfläche verschwinden werden, lassen wir mal dahingestellt. Andererseits spricht es doch Bände, dass es in bestimmten Musikrichtungen einfach Songs gibt, die immer auch neue Generationen begeistern werden. Doch zurück zum neuem Streich der NWoBHM-Helden. Neben der Doppel-CD wird es auch eine DVD geben. Beides läßt sich hinsichtlich der Qualität kaum mit den bereits erschienenen Bootlegs vom gleichen Festival vergleichen. Zumal die ‚In-die-Augen’-Fassung als Bootleg-Video auch kaum mit DVDs mithalten kann.

„Was zur CD selbst noch zu sagen ist: Wir hatten absolut keine Overdubs verwendet. Es sollte rauher klingen, ehrlich.“ Die Atmosphäre, die südamerikanische Fans zustande bringen, sollte man auch wohl so unverfälscht wie möglich einfangen. Und wer sich vielleicht das eine oder andere Mal wundert, was denn auf der Platte grad so knallt: Es sind de Pyros.

„Das Video, das bereits auf dem Bootleg-Markt herumschwirrt, wurde mit einer einzigen Kamera aufgenommen. Wir selbst hatten zehn Stück während des Konzertes im Einsatz.“

Bootlegs keine echte Konkurrenz

Wegen der existierenden Bootlegs zeigen sich Bruce und Jannick allerdings nicht sauer. „Irgendwie gehören Bootlegs zur Szene. Steve Harris (bass) selbst hat wohl die größte Iron Maiden-Sammlung der Welt“, lacht Bruce. „Aber mal Spaß beiseite: Bei Bootlegs weiß man einfach, was man bekommt: Nämlich meist keine besonders umwerfende Qualität. Es ist mehr etwas für Sammler und Die-Hard-Fans. Und sie bieten keinen wirklichen Ersatz, wenn andererseits dieselbe Platte mit guter Qualität auf dem Markt ist. Mit Raubkopien sieht es da schon wieder anders aus. Gerade in Brasilien ist das schon eine richtige Industrie. Man geht auf einen Markt und an jeder Ecke wird einem die neueste Metallica-CD für einen Dollar um die Ohren gehauen.“

Während sich allerdings Gott und die Welt darüber beschwert, daß CDs seit einiger mit Kopierschutz versehen werden oder selbiges in Planung ist, scheint die Industrie mit den DVDs genau den richtigen Zeitpunkt erwischt zu haben. Bei jenem Medium rechnet man eigentlich schon fast damit, daß es mit einem Kopierschutz veredelt wurde.

„In erster Linie haben DVDs den Vorteil, dass man einfach mehr Inhalt draufbringt. Man hat fast den achtfachen Speicherplatz einer CD. Und schon allein durch die verschiedenen Features, die sich auf einer DVD befinden, ist es schon mal schwieriger und auch mühseliger, sie zu kopieren“, gibt der Sänger zu bedenken.

Auch mit einigen Ripp-Programmen, mit denen sich die Scheibchen komprimieren und dann kopieren lassen, sitzt man trotzdem lang dran. Also Leute: Lasst es einfach.

Als es noch Kassetten gab

„Früher haben die Leute auch Schallplatten kopiert, sie auf Kassette aufgenommen. Es ist auch nicht verwerflich, wenn sich jemand seine CDs fürs Auto kopiert. Doch das tun die wenigsten“, sind sich beide einig. „Im Gegensatz zu heute war das Überspielen auf Kassette allerdings stets mit einem Qualitätsverlust verbunden. Und somit ließen sich solche Kopien auch nicht in Massen verkaufen, wie es heute teils geschieht.“

Und Bruce fügt hinzu: „Überspielt man eine CD auf Kassette, dauert das etwa eine Stunde. Kopiert man sie mit einem neueren CD-Brenner, dauert es ein paar Minuten. Das alles macht es einfach zu leicht für Raubkopierer. Es stellt keine Umstände mehr dar, eine Kopie zu erstellen. Besonders junge Bands leiden unter dieser Entwicklung… sie haben noch nicht den Status, der vielleicht den einen oder anderen dazu bringen würde, sich die Original-CD zu kaufen.“

Den Rest der Story kennen wir: Keine verkauften CDs bedeuten kaum Geld für eine Support-Tour oder ähnliches, daraus ergibt sich wiederum, dass der Nachwuchs nicht gerade bekannter wird geschweige denn, sich neue Fans zu schaffen und schlussendlich ohne Plattenvertrag dasteht.

Nur noch übers Netz?

„Sky TV ist für solche Sachen ein gutes Beispiel“, wirft Jannick ein: „Zuerst gab es die Box zu kaufen, wodurch man als Fußball-Fan einfach mehr Service, mehr Spiele etc. bekam als durch normale Sender. Mittlerweile kostet jedes Fußballspiel, dass man sehen will, Geld.“
„Vielleicht wäre es eine Lösung, dass man Musik nur noch über das Internet beziehen könnte. Musik bestellen und bekommen. Allerdings erst, wenn man die Kreditkarte auf den Tisch gelegt hat“, kommt es leicht zynisch und realistisch von Bruce.

Gute Idee einerseits, andererseits: Wieviele Arbeitsplätze würden verloren gehen, wenn durch eine solche Entwicklung alle Plattenläden schließen würden. Des Rätsels Lösung hat wohl entweder noch keiner gefunden oder sie liegt schlicht und ergreifend im hoffentlich vorhandenen Verantwortungsgefühl eines jeden einzelnen. Denn selbst Bruce`s Theorie, dass es ja auch möglich wäre, Musik-DVDs auf den Markt zu bringen, birgt so seine Risiken. Welche Band bekommt schon achtmal soviel Material zusammen, um die DVD entsprechend zu füllen? Und welcher Fan bezahlt dann an die 20 Euro? Fest steht, dass jede Weiterentwicklung der Technik auch immer neue Verführungen parat hat.“

photocredit: By Francis from Groningen, Netherlands (Iron Maiden at The Fields of Rock festival) [CC BY 2.0], via Wikimedia Commons

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