Interviews

Veröffentlicht am 02.04.2016 von nemesis

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Interview Rob Halford

So legt man ein Comeback hin

Es gibt Interviews, auf die wartet man gefühlte tausend Jahre und hat keine Chance. Andere kriegt man und würde liebend gerne darauf verzichten.

Wenn man aber am Montag morgen, wo die Gehirnzellen nach einem ausgiebigen Metal-Wochenende sich gerade regenerieren, einen Anruf von einer Promo-Firma bekommt und einem ganz kurzfristig ein Interview mit Rob Halford anbietet, dann muss man einfach zupacken. Und es sollte bei diesem genialen Gespräch nicht nur um die Platte Resurrection gehen, mit der sich Rob Halford eindrucksvoll abseits von Judas Priest wieder auf der Metal-Bühne zeigte.

„Screaming For Vengeance“

Nun, zuerst hieß es: „Dein Inti verschiebt sich um ´ne halbe Stunde, hier hast du inzwischen die komplette CD und kannst dich reinhören.“ Promoter hatte gesprochen und verschwand im Bus. Glücklicherweise hatte ich `nen CD-Player im Auto, schob das Teil rein und die Platte war und ist ein-fach göttlich.

Wenn das Drumherum die Mucke tötet

Red: Rob, zwei Jahre lang hat man so gut wie nichts von dir gehört. Jetzt hattest du dich mit einem Killer-Album wieder zurück gemeldet. Was hast du in der Zwischenzeit gemacht?
ROB: Ich brauchte einfach Abstand, um mir darüber klar zu werden, wie es mit mir weitergehen soll-te, denn die Dinge mit 2wo liefen nicht ganz so dahin, wo ich es gerne gewollt hätte. Ich merkte im-mer mehr, dass ich wieder die Musik machen wollte, wie ich es zu Priest-Zeiten getan habe. Ich bin und bleibe ein Metalhead und wie du vorhin hören konntest, der Metalgod ist wieder zurück. Außer-dem war ich sehr häufig im Studio, um Songs zu schreiben.

„Painkiller“ (live in Anaheim 2003)

Red: Das steht aber im Gegensatz zu deiner früheren Aussage, dass dich die ganze Metalszene an-kotzt, der Metal tot sei.
ROB: Yeah, ich stehe zu dieser Aussage, denn zur damaligen Zeit, war ich total angepisst von der gan-zen Szene, das Theater um meinen Ausstieg bei Priest, private Probleme, ich hatte einfach die Schnauze voll davon. Ich war total ausgebrannt. Meiner Meinung nach hatte sich die ganze Sache irgendwie statisch festgefahren, ich wollte einfach mal was anderes machen. Dass sich letzten Endes dann 2wo nicht als das entwickelte, was ich machen wollte, auch von den Leuten nicht so angenom-men wurde, ist eine Erfahrung, die ich wohl machen musste. Ich stehe nach wie vor zu 2wo und auch Fight, aber wie schon gesagt, ich bin eben doch ein Metalhead und deshalb gab es jetzt wieder das volle Brett mit Halford. Außerdem, jeder Mensch, auch ich, hat das Recht seine ureigenen Erfahrun-gen zu machen und aus Fehlern – wenn man 2wo als Fehler sehen will, was ich nicht tue – zu lernen.

Band oder solo?

Red: Stichwort Halford, ist das nun ein Solo-Projekt von dir oder eine reguläre Band?
ROB: Ganz klar, Halford ist eine Band mit immens guten Musikern und dem Metalgod als Sänger. Das war von Anfang an so geplant und ihr alle werdet euch wundern, wie das auf der kommenden Tour abgeht.

Red: Als Produzenten hattest du niemand geringeren gewonnen, als Roy Z., der ja auch als Gitarrist, Songwriter und Produzent von Bruce Dickinson’s Soloprojekt sich einen Namen machte…
ROB: (lacht) Er und ich kennen uns schon lange, ein verrücktes Huhn, aber mit ihm zu arbeiten ist das Beste, was mir passieren konnte. Als ich anfragte, ob er denn nicht meine neue Scheibe produzieren wolle, sagte er „Klar Mann, immer“. Und wie man sieht ist das Ergebnis auch hervorragend gewor-den. Mit ihm verstehe ich mich einfach blind. Glaub’ mir, ich habe genügend Erfahrungen mit Produ-zenten, wenn da nicht das richtige Feeling rüberkommt, kann es ganz schön schwierig sein, `ne gute Scheibe zu machen, haha…

„Man On The Silver Montain “/ “This Is Your Life” (Tribute to Ronnie James Dio)

Red: Wo hattet ihr aufgenommen?
ROB: Nicht in einem Studio allein, es gab da mehrere. Ich selbst habe in Amsterdam im Bauwhaus-Studio eingesungen, der größte Teil der Instrumente wurde in Burbank, Kalifornien eingespielt, mit Ausnahme der Drums, die in den Sound City-Studios in Van Nuys (Anm. d. Verf. : Bis ich den Namen richtig schreiben konnte…) Kalifornien von Ray eingespielt.
Abgemischt wurde das Ganze dann wieder in Amsterdam von Attie Bauw, dem Inhaber selbst und auch euer deutscher Top-Produzent Charlie Bauerfeind hat auf Teneriffa ein paar Mixes beigesteuert.
Der Ehrlichkeit halber muss ich noch sagen, dass Bobby nicht alle Drum-Parts eingespielt hat, son-dern ein Song (Anm. d. Verf. : „The One You Love To Hate“) von Pete Perada getrommelt wurde. Bobby hatte keine Zeit…

Zwei Metalstimmen erster Güte

Red: Es gab ja ein Duett mit Bruce Dickinson auf der fertigen CD. Wie kam’s dazu?
ROB: Wir sind seit langem befreundet, waren auch mal gemeinsam unterwegs und der Song den du meinst, heißt „The one you love to hate“. Klingt ein wenig anders und ist spontan von uns beiden geschrieben worden. Im Übrigen hat ja auch Roy Z. seinen Teil zum Songwriting beigetragen, nicht alles stammt von mir.

Red: Das erste Album unter dem Banner Halford hieß Resurrection und erschien auf einem Unter-Label von Sanctuary Records. Sanctuary ist ja auch gleichzeitig das Management von Iron Maiden.
ROB: Richtig, ich hatte das Angebot von den Sanctuary-Jungs, und bin froh mit denen einen Vertrag zu haben. Die tun richtig was für mich. By the way, das Label heißt Metal-Is. Und der Album-Titel Resurection sagte ja auch alles, der Metalgod war back, auch wenn mich in den letzten Jahren einige für musikalisch tot erklären wollten

Red: Wenn man sich deine neue Scheibe anhört, dann kommt man nicht daran vorbei, es mit dem famosen Priest-Album Painkiller zu vergleichen. Stört es dich, wenn die Leute sagen, Resurrection ist der legitime Nachfolger von Painkiller?

Pure Metal Rules

ROB: Überhaupt nicht, das ist ja genau die Richtung für die ich (wieder) stehe. Das wollen die Fans von mir hören, und das bekommen sie auch. Wie schon gesagt, ich stehe zu Fight und 2wo, aber ich bin wieder so heiß auf Metal wie nie zuvor, meine Stimme ist wieder voll da und der Metalgod back in business. Diesen ganzen neuen New Metal-Kram, ich kann dem nicht wirklich was abgewinnen, pure Metal rules und dafür steht dieses Album. Okay, Limp Bizkit ist nicht schlecht. Und zu Priest, es war eine tolle Zeit, ich würde alles wieder genauso machen, ich habe nichts zu bereuen. Mein Aus-stieg war richtig zu diesem Zeitpunkt, jetzt gibt es Halford, das ist meine Zukunft. Fight und auch2wo waren wichtig für mich um wieder dahin anzugelangen, wo ich herkomme, vom Metal in seiner ge-ballten Power. That’s it!

„Little Crazy“

Red: Gibt es einen Song auf der ersten Platte, der dir besonders am Herzen liegt?
ROB: Ohne jeden Zweifel ist das „Silent Screams“. Der Song drückt noch mehr – wie auch die ande-ren Tracks – in den Lyrics aus, was ich empfinde. Ernsthaft, einige Textstellen auf der CD beziehen sich ganz klar darauf, was ich in den letzten Jahren musikalisch gemacht habe. Musik machen ist ja auch irgendwie `ne Art von Therapie, man kann Aggressionen, Sehnsüchte, Träume, Erfahrungen, Lebens- und Alltagssituationen ausdrücken. Das habe ich gemacht, nur so kann ich mich menschlich und charakterlich weiter positiv entwickeln.

Red: Eine mehr persönliche Frage, vor einiger Zeit hattest du dein Coming Out und nicht wenige sag-ten, mit Halfords Bekenntnis zur Homosexualität hat er sich in der Metalszene seine eigenes Grab geschaufelt. Diese Szene strotzt ja bekanntlich nur so von Machismus.
ROB: Gut dass du das fragst, die meisten Interviewer haben ja irgendwie Angst mich noch darauf anzusprechen. Aber es wird dich überraschen, ich habe im Großen und Ganzen keinerlei negative Erfahrungen gemacht, auch nicht in England. Gut, Amerika war ein wenig anders. Dieses Land gibt sich auf der einen Seite so fortschrittlich, ist aber andererseits derart verklemmt und prüde, das glaubst du gar nicht. Direkt angegriffen hat mich keiner – schon gar nicht persönlich – aber manche Reaktionen waren doch recht strange. Aber Schwamm drüber, es gab so viele positive Fanbriefe, die sagten, dass sie jetzt erst recht meine Fans wären, weil ich den Mut hatte, mit meinen sexuellen Nei-gungen an die Öffentlichkeit zu gehen. Es ist einfach eine Charaktersache. Am Musiker Robert Hal-ford hat das aber nichts verändert, ich bin immer noch der Gleiche, wenn auch ein wenig reifer. Ich trinke nicht mehr, lebe gesund, rauche meine Zigarren und der Rock’n’Roll ist mein Lebensinhalt.
Ich bin total heiß darauf wieder auf der Bühne zu stehen und mich bis zur Erschöpfung zu verausga-ben. Wir wollen den Leuten zeigen, wozu wir fähig sind und all den Metalfans das bestmögliche ge-ben, 150% Metal!

„Metallica live mit Rob Halford“

Red: Wird es wieder die Harley auf der Bühne zu sehen geben, wie bei deiner letzten Tour mit Priest?
ROB: Ich will’s mal so sagen, komm zur Show und du wirst es sehen. Die Painkiller-Harley habe ich übrigens noch immer, nur ist sie jetzt ein wenig modifiziert und hat eine andere Lackierung. Natürlich fahre ich in Amerika mit ihr rum, wann immer mir die Zeit bleibt, das gehört auch zum Rock’n’Roll… (reicht mir ein paar Fotos rüber, auf denen das edle Teil abgebildet ist)

Solo-Projekte und Aktivitäten:

Fight:

War of Words
Nailed to the Gun (Tour-Single)
Mutations (EP)
A Small Deadly Space
K5 – The War of Words Demos
Into the Pit (Box-Set)

2wo:

Voyeurs

Halford:

Resurrection
Live Insurrection (Live-Album)
Crucible
Fourging the Furnace (EP)
Live at Disney House of Blues (Digital-Download)
Metal God Essentials Vol. 1 (Kompilation)
Live at Rock in Rio III (Live-DVD mit Resurrection als Bonus CD)
Halford III – Winter Songs
Live in Anaheim (Live-Album, separat als CD und DVD erschienen)
The Mower (Single)
Halford IV – Made of Metal
Live at Saitama Super Arena (Live-Album, welches separat als CD und DVD erschienen)
Live in London (Live-Album)

Movies/ Cameo-Auftritte:

Spun – In Spun treten eine Reihe bekannter Musiker in Cameos auf. So ist Rob Halford als Pornola-denkassierer zu sehen.

photocredit: By Purgueflantar (Own work) [CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons

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