Interviews

Veröffentlicht am 20.11.2015 von nemesis

0

Interview U.D.O.

Heiliger Metal!

Ständig gab es aus dem Hause Dirkschneider Neues zu berichten. Und brachte Udo samt seiner Band zwischendurch nicht mal eine neue Scheibe raus und hat mal zwei Monate nichts zu tun, machte er eben ein eigenes Label, Breaker Records, auf. Stellt sich die Frage: Zuviel Zeit oder zuviel Schnauze Voll vom Vertragsgepinsel im Musik Business? Wie war´s damals für Udo Dirkschneider – nachdem der Gute ja im kommenden Jahr aktiv die Segel streichen will. Hier ein kleiner Rückblick.

Die Idee dahinter

Udo: „Ich denke, es kommt immer darauf an, wie man so eine Geschichte angeht. In erster Linie habe ich dieses Label wegen mir selbst ins Leben gerufen und auch familiär bedingt, um meinen Bruder und seiner Formation Vanize weiterzuhelfen. Ich pusch` da jetzt nicht sonderlich dran rum. Wir arbeiten an dieser Sache und bis jetzt bin ich ehrlich gesagt, ganz zufrieden. Sicher wird im Laufe der Zeit auch noch die eine oder andere Band dazukommen, aber nicht allzu viele. Ich möchte die ganze Sache her kleiner halten.

Die Idee dahinter ist, dass wir auch ein oder zwei bekanntere Bands mit dabei haben werden, mit denen ich gerade in Verhandlung stehe, und auch eine noch unbekanntere Band. Mehr wird dann erstmal auch nicht werden, da ich die Bands, die ich in das Label mitreinnehme, vernünftig unterstützen möchte und ich kein Freund von halbseidenen Angelegenheiten bin. Was aber schlussendlich mal dabei herauskommen wird, kann ich jetzt auch noch nicht einschätzen.“

Wo sind die interessanten Acts?

Vor kurzem gab es ja mal einen Aufruf, dass sich Bands bei Breaker Records bewerben sollten….
Udo: „Das ist richtig. Nur kann ich auch nicht alle Bands unter Vertrag nehmen. Ich suche mir diejenigen aus, bei denen ich der Meinung bin, dass Potential da ist, bei dem man den Eindruck gewinnt, dass es wirklich ungewöhnlich und interessant ist.“

Nur verwundert es ein wenig, dass das Label zwar keine riesigen Ausmaße erstmal annehmen soll, aber der Vertrieb von Breaker Records über Nuclear Blast läuft, die ja mit ihren eigenen Bands schon eine Menge zu tun haben.
Udo: „Ja, Nuclear Blast haben schon eine Menge Bands unter, das stimmt. Wir arbeiten jetzt seit Mai zusammen und man wird sehen, wie sich das entwickelt. Es dauert auch immer seine Zeit bis sich alles eingespielt hat.“
Ist ein Grund für das eigene Label auch ein wenig Unzufriedenheit mit dem Business an sich?

Kreative Leute bei den kleinen Firmen

Udo: „ Es ist einiges in diesem Bereich nicht mehr so wie früher. Man muss auch die Unterschiede zwischen den einzelnen Firmen sehen. Die großen Majorlabals haben an derartigen Geschichten gar kein Interesse mehr. Für die ist das alles viel zu viel Aufwand, eine Band aufzubauen. Deshalb werden auch sehr viele Unterlabels gegründet. Diese Unterlabels kümmern sich dann eben auch um die kleineren Bands. Bei den kleineren Plattenfirmen sind doch mitunter auch sehr kreative Leute. Doch es ist mittlerweile sehr schwierig für Bands geworden. Ich hatte zum Beispiel das Problem, dass im Ausland für U.D.O. meiner Meinung nach zu wenig gemacht wurde. Was alles außerhalb von Deutschland gelaufen ist, habe ich zuvor selbst in die Hans genommen. Ich bin nun lange genug in diesem Geschäft und habe auch den einen oder anderen Kontakt. Und wenn man solche Kontakte nun weitergibt und es wird nichts daraus gemacht, dann ist das etwa schwierig.

Gerade bei den letzten beiden U.D.O.-Alben ist so ziemlich alles, was gemacht wurde, zumindest im Ausland, auf meinem Mist gewachsen. Und das hat auch gut funktioniert. Es war zwar viel Arbeit aber es lief im Endeffekt dann so für uns heraus, dass es gepasst hat. Ich denke auch, dass die Leute heute zum Großteil nicht mehr bereit sind, über einen längeren Zeitraum eine Band zu unterstützen und auszubauen. Eine Band hat in der heutzutage nicht mehr viel Zeit, sich zu entwickeln.“

Wobei man aber auch den Eindruck gewinnt, dass gerade die großen Labels die Auffassung vertreten, mit kurzfristiger Arbeit lässt sich leichter mehr Geld verdienen.

Potential nicht nur im Pop

U.D.O.: „Ja, bei den großen Firmen dreht es sich hauptsächlich nur noch ums Pop-Geschäft. Es sind nicht mehr viele Plattenfirmen, deren Aufbauarbeit für eine Band über zwei Alben hinausläuft. Wenn nach dieser Zeit die Sache immer noch nicht so funktioniert, wie man sich das vorstellt, wird die Band eben meistens abgesägt. Leider sind die Leute nicht mehr so risikofreudig. Klar gibt es auch Bands, bei denen es wirklich keinen Sinn macht. Aber wenn man sieht, dass da Potential da ist, die Sache aber einfach noch ein wenig braucht, sollte man auch den Mut haben, weiterzumachen. Aber das ist ein schwieriges Thema. Manchmal sind auch die Vorstellungen einiger Bands, was sie wollen, voll daneben.“

Das Erfolgsrezept soll ja nach wie vor „Spaß an der Musik“ sein…
U.D.O.: „ Das ist auch das oberste Gebot. Man sollte sich in erster Linie auf die Musik konzentrieren. Sicher muß man sich auch über die geschäftliche Seite Gedanken machen. So aufs grade Wohl losmachen, bringt´s auch nicht, aber der Fun an der Geschichte ist schon das Wichtigste. Denn wenn der Spaß fehlt, wird alles andere auch ein bisschen schwieriger: Man sollte ein Ziel haben, es aber nicht zu verbissen verfolgen.“

Auf immer von Accept verfolgt

Es soll ja nach wie vor noch ein paar Leutchen geben, bei denen erst der Groschen bezüglich U.D.O. fällt, wenn man auch Accept miterwähnt. Und im Laufe der Zeit sollte es ja auch wieder irgendwie eine Einheit werden.

Udo: „ Ich habe damit kein Problem. Was nur ein wenig schwierig für mich ist, wenn Leute zu mir kommen und sagen, ich soll doch U.D.O. in Accept umbenennen. Ich denke, man sollte Accept so stehen lassen, wie sie waren. Mich reizt es wesentlich mehr, unter dem Namen U.D.O. so nah wie möglich an Accept heranzukommen und zu gucken, ob das auch ohne den Namen Accept geht.

Zudem habe ich ja auch noch einen alten Mitstreiter von Accept mit an Bord, Stefan Kaufmann. Also die Hälfte von Accept ist bei U.D.O. eh da und wenn man mal Deutschland weglässt bin ich mit dem Verlauf der jetzigen Band mehr als zufrieden. Germoney war in dieser Hinsicht immer das schwierigste Kapitel. Woran das liegt, weiß ich auch nicht so genau. Im Ausland läuft es wesentlich besser.

Die Zeichen stehen allerdings derzeit positiv für die Zukunft. Außerdem habe ich mit den ausländischen Geschichten genug zu tun und wenn man nicht will, dann eben nicht.“

Respekteinflösend

Von Nuclear Blast Tribute To Accept herausgebracht. Irgendwie schon beeindrucken, eine solche Vielzahl an Bands derart beeinflusst zu haben….

Udo: „Ich hätte mir nie träumen lassen, dass so etwas mal passiert. Es ist ein tolles Gefühl. Sicher ist man irgendwann an einem Punkt, wo man darüber nachdenkt, wie erfolgreich man mal wird. Doch dass man für Accept mal eine Tribute-Scheibe veröffentlichen wird, habe ich mir echt nicht gedacht. Ich bin auch der Meinung, dass die CD Holy so nah an Accept rankommt, daß es nicht mehr näher geht, auch aus dem Grund, daß Stefan Kaufmann die Hauptkraft hinter Accept war und, wie bereits erwähnt, bei U.D.O. auch kräftig mitmischt. »Holy« ist für uns Metal – diese Musik ist uns heilig.

photocredit: https://www.facebook.com/UdoDirkschneiderOfficial/photos/pb.328637727187843.-2207520000.1447664599./1018375058214103/?type=3&theater

Tags: ,


About the Author



Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Back to Top ↑
  • Aktuelle Artikel

  • PARADOX Musikmagazin

  • Newsletter

    Trage ich hier in unsere Newsletter ein und bekomme von uns immer alle Szene-News aus erster Hand!

  • Monatsübersicht