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Veröffentlicht am 26.11.2015 von nemesis

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Interview Vanden Plas

Vanden Plas „… und was machst du beruflich?“

Wie eigentlich nicht anders zu erwarten, hatten die deutschen Prog Metaller Vanden Plas auch mit ihrer Platte Beyond Daylight wieder superbes Material abgeliefert und bisher scheint auch Presse die Band wieder mit entsprechenden Kritiken zu bedenken. Wobei Vanden Plas auch noch nie mit einer Scheibe so richtig durchgefallen sind, wie Schlagzeuger Andreas Lill erzählt: „Sicher gab es auch mal einzelne Reviews, in denen wir nicht so gut weggekommen sind, doch im Großen und Ganzen erhielten wir bisher immer gute Kritiken. Die Akustik-Platte ACcault stellt hier vielleicht eine kleine Ausnahme dar.

Underground-Gigs in Frankreich

Wir hatten damals einige Unplugger-Gigs in Frankreich mitgeschnitten. Gigs, die wir in kleineren Shops und dergleichen spielten. Die CD war in erster Linie auch für die Fans dort gedacht, doch dann sollte ACcault auch auf dem hiesigen Markt erscheinen und viele hielten die CD wohl für die neue reguläre Vanden Plas-Scheibe: Kaum progressiv, softer… so manch einer hatte aufgrund eines falschen Ausgangspunkt schon so seine Probleme mit diesem Output.“ Dennoch ist es eigentlich schade, dass Vanden Plas trotz hervorragender Alben bisher nicht den Status in Deutschland haben, denn man ihnen wünschen würde.

„Ach Gott, wer entscheidet schon, wer welchen Status verdient hat. Wir haben durchaus Erfolg und sind damit auch zufrieden. Die Progressive-Fangemeinde ist nun einmal auch kleiner als das potentielle Bon Jovi-Publikum. Bon Jovi hört jeder – selbst unser Sänger. Unter diesen Umständen kann man keine Weltkarriere oder dergleichen erwarten. Man kann als Band nicht mehr verkaufen als Fans da sind.

Dream Theater, die mit zu den führenden Bands dieser Szene gehören, verkaufen an die 50.000 CDs. Was will man da als Band erwarten, die nicht so weit steht wie Dream Theater.

Steinreich wird man mit dieser Musik nicht

Mit dieser Art von Musik wird man nie in den Radios rauf und runter gespielt werden oder den großen Hit landen. Dessen muss man sich einfach bewusst sein“, zeigt sich der Drummer realistisch. Und zudem gilt der Prophet im eigenen Lande eher selten etwas. Nicht verwunderlich, dass Vanden Plas daher in Frankreich ein ganzes Stück angesagter sind als hierzulande, auch wenn sie sicher ihren Status bei den deutschen Fans haben und die Fangemeinde stetig wächst. „Es gibt eine Menge toller Bands, die bis heute keine einzige CD veröffentlichen konnten.

Uns ist mit InsideOut als Label das bestmögliche passiert. Als wir zu InsideOut gekommen sind, bestand die Firma noch aus den beiden Gründern, die mehr Fans als Labelbosse waren. Sie haben die Bands geglaubt, die sie unter Vertrag genommen haben, haben deren Potential gesehen. Und unterm Strich hat diese Firma gewaltig expandiert.“ An sich und seine Ideale zu glauben, scheint sich angesichts dieses Beispiels also doch zu rentieren. „Unter diesen Umständen hat man am Ende auf jeden Fall für sich selbst gewonnen.

Wir machen uns keine Gedanken, was wir machen müssen. Keine Kettenhemden und weiß geschminkte Gesichter.

Kein Drängen auf Erfolg

Wir machen einfach drauflos und eben das, was wir am besten können. Selbst wenn wir versuchen würden, auf den kommerziellen Markt zu drängen, hätten wir auch nicht weniger Konkurrenz. Drängt man zu sehr auf Erfolg, kann der Schuss auch nach hinten losgehen.“ Wie man an nicht wenigen Beispielen ehemals erfolgreichen Bands, die sich später dem Kommerz gebeugt haben, sehen kann. Doch auch wenn Vanden Plas nicht nach dem Welterfolg schlechthin streben, gibt es doch den einen oder anderen Wunsch. „Es sind nicht primär riesengroße Festivals, die mir im Kopf herumschwirren.

Kleine Auftritte besser?

Sicher, welcher Musiker findet es nicht klasse, für x-tausend Leuten zu spielen. Andererseits ist in diesem Fall die Distanz zum Publikum wieder verdammt groß. Es ist nicht die Frage, ob große oder kleine Auftritte besser sind. Es ist einfach jedesmal anders. Es würde mich allerdings sehr reizen, weltweit mit der Band herumzukommen. Europa haben wir schon ziemlich abgegrast ohne dabei ‚ruinös’ unterwegs zu sein“, lacht der Drummer. Gemeint ist, dass die Band bei allen Konzerten nicht im Schuldenberg gelandet ist und jedes Konzert mitgenommen hat und dabei den finanziellen Faktor und das Risiko ignoriert hat.

Dennoch sind Vanden Plas eine Band, die es nicht versäumt hat, rechtzeitig auch auf den Bühnen unterwegs zu sein. „Bevor wir die erste CD herausbrachten, hat es schon eine Zeit gedauert, bis wir Gigs spielten. Im regionalen Bereich gab es für uns eher wenig Möglichkeiten zu spielen. Wir haben jede Steckdose mitgenommen und nur eigenes Material gespielt. Auch, wenn die Clubs auch mal schlecht besucht waren. Ich kann mich an einen Auftritt erinnern, bei dem genau zwei zahlende Gäste anwesend waren, hehe.

Man muss aber auch dazu sagen, dass zu diesem Zeitpunkt bereits feststand, dass der Club geschlossen werden würde.

School of Hardknocks

Der Inhaber hat daher für den Auftritt auch absolut keine Werbung gemacht. Einige dieser Club-Gigs waren sehr hart, aber eigentlich eine gute Schule. Die Luftmatratze im Gepäck – man wußte ja nie, was einen vor Ort erwartet. Heute im Tourbus unterwegs zu sein, ist dagegen das reinste Paradies. Wir haben aus den Situationen das Beste gemacht und hatten schon unseren Spaß. Irgendwann ging es ziemlich bergauf und wir hatten auch Rückenwins seitens der Presse“, fährt Andreas fort. Und meint, die Verantwortlichen sollten das ruhig mal lesen und sich ihre Gedanken machen.

„Wir hatten damals in der Rockfabrik in Nürnberg gespielt und ich denke, dass alle Bands, die dort auftreten, in diesem Hotel untergebracht werden. Ganz ehrlich: Diese Unterkunft muss man mal gerochen und gesehen haben. Das war die unterste Kajüte.“ Neben Vanden Plas als solches waren die Jungs auch im regionalen Bereich mit ihrer Mitwirkung an Musical-Aufführungen wie Jesus Christ Superstar oder der Rocky Horror Picture Show beschäftigt. Nicht von wegen ‚Hallodris, die mal um elf Uhr morgens aus dem Bett krabbeln und irgendwann die Gitarre in die Hand nehmen.

Die Mutter aller doofen Fragen

„Wenn ich erzähle, dass ich Musiker bin, kommt entweder die Frage, ob man davon leben kann oder mein Gegenüber guckt und meint ‚ist ja schön, aber was machst du beruflich’…. da muss man wohl nichts mehr sagen. Eine weitere Diskussion ist da echt für die Katz`. Wir haben nie in den Tag hineingelebt. Ich bin mit meinem Studium fertig, ebenso mein Bruder (Stephan Lill, guit). Aber nun haben wir uns komplett für die Musik entschieden, zumal ohne diese Entscheidung Dinge wie die Musical-Geschichte gar nicht möglich wären. Zieht einer nicht mit, steht das Engagement auf der Kippe, denn für einen Veranstalter ist es natürlich einfacher eine komplette Band anzuheuern als einzelne Musiker.“

Beruf als Berufung

Die Gesellschaft hat eben immer noch ihre eingefahrenen Strukturen, in der anscheinend nur Jobs als solche akzeptiert werden, die keinen Spaß machen. „In der 9., 10. Klasse wird einem bei der Berufsberatung noch gesagt, man solle sich an dem orientieren, was einem liegt und Spaß macht. Und tut man das dann, wird man schief angeschaut. Die Gesellschaft steht der persönlichen Entwicklung des Einzelnen nach wie vor im Weg.

Menschen, die einen Lebensstil wie den unseren akzeptieren, sind leider rar gesät und manchmal dauert es verdammt lang, bis das eigene Umfeld die Berufswahl akzeptiert.

Die deutsche Mentalität ist es nun mal, früh aufzustehen, hart zu arbeiten…“ und nie den Ernst des Lebens zu vergessen, dafür aber hirnlos, verbittert und unzufrieden im Privaten herumzueiern. „Wenn ich Leute sehe, die ein Problem damit haben, dass die Nachbarn einen Mercedes fahren, während man selbst ‚nur’ einen großen Opel fährt, verstehe ich die Welt nicht mehr. Eigentlich haben wir hier in Deutschland absolut kein Recht zu jammern. Man sollte mal bedenken, was woanders abgeht. Sich allerdings diverser Probleme in unserem Land bewusst zu sein, bedeutet nicht zu jammern. Man sieht lediglich, dass zum Beispiel die falschen Leute am richtigen Platz sitzen. Probleme zu erkennen ist der erste Weg weiteren Ärger zu vermeiden oder Lösungen zu finden. Auch denjenigen unter uns, die es nicht so gut getroffen hat, geht es immer noch besser als machen anderen Menschen in anderen Ländern. Doch es muss auch echt nicht sein, dass Menschen in einem Land wie zum Beispiel bei uns in Deutschland durchs soziale Netz fallen und absolut mittellos dastehen.“

photocredit: http://www.metal-archives.com/bands/Vanden_Plas/1400

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