Interviews

Veröffentlicht am 01.12.2015 von nemesis

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Interview Vanize

Wie der Bruder, so der der Einfluss

Highproof stellte das dritte Album der Formation um Udo Dirkschneiders kleinen Bruder Peter. Und nachdem sich Vanize immer mit Vergleich zu Accept und U.D.O. herumschlagen durften und sie von der schreibenden und beurteilenden Zunft kaum aus deren Schatten gelassen wurde, sollte mit der dritten Scheiblette endlich mal Schluss mit lustig sein. Ob Dirkschneider-Reibeisenstimme Nummer 2 Peter die ständigen Vergleiche auf den Senkel gehen… tja, lest selbst:

„Bis jetzt habe ich nur gute Resonanzen zu Highproof mitbekommen“, beginnt Peter, der bei diesem Interview genauso kultig wie Udo wirkt. „Die ständigen Vergleiche lassen auch langsam nach. Die gingen uns schon zeitweise auf die Nerven, nur hört man auch irgendwann auf, sich darauf zu konzentrieren.

Man beginnt, sie zu überhören und nicht zu beachten. Meistens sehen solche CD-Kritiken doch dann so aus, dass Dreiviertel des Platzes mit der Tatsache, dass ich Udos Bruder bin, mit Vanize bei seinem Label Breaker Records untergebracht war und wir ähnliche Stimmen haben, ausgefüllt werden. Ich verstehe, dass ein Journalist um solche Aufmachungen dankbar ist, weil einem einfach bei vielen CD-Besprechungen, die man zu machen hat, auch hin und wieder nicht mehr allzu viel einfällt.

Mehr Info zur Band als zur Musik

Aber eigentlich sollte eine Platten-Kritik doch auf das Material, die Songs eingehen. Es ist nicht selten, dass man bei einem Review eine Menge Informationen zu einer Band bekommt, aber am Ende des Artikels immer noch keinen blassen Schimmer hat, wie der Sound klingt. Sinn der Sache ist auf jeden Fall nicht, auf meinem Namen herumzureiten. Die Vergleiche, die immer herangezogen wurden, haben schon ihre Berechtigung.

Wir sind von Judas Priest, AC/DC und auch Accept beeinflusst. Nicht, weil es die Band meines Bruders war, sondern weil uns der Sound taugt.“

Das Verständnis, dass Peter für die Schreiberlinge hat, bringt nicht jeder Musiker auf. Doch wurde auch er von einem Journalisten auf diese Misere aufmerksam gemacht. „Bei einem Studioreport zur neuen Platte erklärte mir ein Journalist, dass er einfach eine gewisse Anzahl an Neuerscheinungen in einer gewissen Zeit zu besprechen hat, teilweise auch Sachen, mit denen er gar nichts anfangen kann, weil sie eben seinen Geschmack nicht treffen. Es kommt einfach zu viel an neuen Veröffentlichungen, da schließe ich mich der großteiligen Meinung an.

Eine Lösung wäre vielleicht, dass man erstens den Journis auch die CDs zum Besprechen gibt, die in ihr Repertoire fallen und zweitens, dass man eben nicht über alles schreibt. Ich würde eine Vorauswahl treffen, welche Platten reviewt werden und welche nicht. Ich verstehe es wirklich, dass einem als Schreiberling oft nur die Zeit bleibt, zu steppen (d.h. die Songs nur kurz anzuspielen). Richtig Musikhören tut man dabei nicht mehr.“

Blind auf die Mags vertrauen

Unter solchen Umständen kann es schon mal passieren, dass ein Review in die Hose geht, weil man einfach den Kopf so voll hat, dass man den Sinn einer Scheibe vielleicht im entsprechenden Moment gar nicht mehr erfassen kann. Fehler können passieren und eigentlich sollte man noch ein wenig darauf vertrauen können, dass die Fans sich trotz der Meinungen in den Magazinen ihr eigenes Urteil bilden wollen. „Die meisten vertrauen blind auf die Hefte und die vergebenen Punktzahlen. Dass man sich die Zeit nimmt und in einem Laden in ein paar Scheiben reinhört, ist eher selten der Fall. Was ich recht witzig fand: Andreas Schöwe vom Metal Hammer sagte mal zu mir, es würde eine Vanize-Story bei ihnen geben, weil ihm die CD so gut gefällt. Lustige Art, den Inhalt zusammenzustellen.“

Naja, eigentlich sollte es im Allgemeinen so gemacht werden, aber wer ein bisschen Einblick hat, welche Umstände das Erscheinen einer Story manchmal ein wenig erleichtern können, rechnet eigentlich kaum mehr damit, dass ein Interview geführt wird, weil eben gerade die neue Scheibe einem Redakteur gefällt. Gerade bei den großen Magazinen richtet sich das Erscheinen einer Story nach dem Soundcheck, sprich, auf welchem Platz eine Scheibe bei der Gesamtwertung der Redaktion gelandet ist. Somit gab es auch für Peter eine lustige Begebenheit mit dem anderen großen Rock-Mag.

Viel effektiver im Underground

„In Balingen traf ich Götz Kühnemund, der mir sagte, er fände Highproof total toll, aber er könne uns keine Story garantieren. Und das, obwohl er einer der oberen bei diesem Magazin ist. Schon seltsam. Als Musiker und Band ist man auf diese großen Hefte angewiesen, man kommt nicht drum herum, aber als Fan, der ich auch bin, mache ich um manche Mags einen großen Bogen, da mir die großen einfach zu kommerziell und wenig informativ sind. Ich kaufe mir die Dinger schon seit etwa acht, neun Jahren nicht mehr. Zudem mag ich diese gestochenen und teils pseudo-intellektuellen Formulierungen nicht sonderlich. Heavy Metal ist eine lockere Szene mit lockerer Sprache. In meinen Augen sind einige Underground-Mags und Fanzines viel effektiver und bringen die Sachen auch verbal auf den Punkt.

Gewisse sprachliche Anforderungen muss man im Status eines Rock Hard oder so schon erfüllen, aber man muss es ja nicht gleich übertreiben.“

Metal ist Metal ist Metal

Mit einer weiteren Sache kommt Peter, der übrigens Schweden als Metal-Himmel für Vanize bezeichnet, auch nicht so ganz zum Schluss: „Wenn es um diese ganzen Kategorisierungen im Rock und Metal geht, muss ich echt die Segel streichen. Keine Ahnung. Für mich ist das alles Heavy Metal.“ Passt! Aber noch kurz zu Highproof, die doch düsterer und auch härter als die vorherigen Vanize-Scheiben Bootlickerund Twins ausgefallen ist. „Unser Haupt-Ideen-Anschlepper ist Markus Becker, unser Gitarrist. Vor allem nach der gemeinsamen Tour mit Testament hat er eine Unmenge an neuen Kram herangeschleift, und ich denke, die Jungs von Testament haben da schon ein wenig abgefärbt.

Außerdem hatte Stefan Kaufmann die Scheibe produziert und aus den Songs Sachen herausgeholt, auf die wir selbst nicht gekommen wären. Die Stücke wurden erst im Studio arrangiert, und so hatte Stefan viel Einfluss auf die Songs.“ Wie man hören kann, einen verdammt guten.

photocredit: http://www.metal-archives.com/bands/Vanize/2344

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