Interviews

Veröffentlicht am 21.11.2015 von nemesis

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Interview Vision Divine

Vision Divine über Send Me An Angel – Von wegen Projekt

Noch bevor wir zum eigentlichen Frage-Antwort-Spielchen kommen, macht Gitarrist Olaf Torsen erst mal seinem Unmut darüber aus, wie manche Leutchen Vision Divine bei der ersten Scheibe gesehen haben – und hoffentlich bei der zweiten Platte, Send Me An Angel, nicht mehr tun werden: „Viele haben uns nur als Projekt gesehen oder gedacht, diese Band dient der Geldmacherei, und Fabio Leoni (voc, Rhapsody) und ich (Olaf hat ja mit Labyrinth auch eine relativ namhafte Italo-Metal-Band am Start) würden nur auf unseren Namen herumreiten.

Doch da muss ich ganz ehrlich mit einer Gegenfrage kommen:
Wer bitteschön nimmt sich zwischen der ersten und der zweiten CD eineinhalb Jahre Zeit, um wirklich gutes Material an den Start zu bekommen, wenn es nur um das schnelle Geld geht?

Wenn es unser Ziel gewesen wäre, mit unseren Namen Kohle zu machen, hätten wir auch die erstbesten Ideen nehmen und 08/15-Songs zusammenzimmern können.“ Stimmt, dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen.

Die Metal-Nachwehen

Was es den Fans und der Presse aber in dieser Hinsicht nicht leichter macht, ist die Tatsache, dass einige Combos mit Olaf´s Namen auf ihren Scheiben werben. „Die Italiener Cydonia sind so ein Beispiel. Es ist Jahre her, dass ich mit den Jungs mal was gemacht habe und nur weil sie ein paar meiner Ideen verwendet haben, steht gleich auf der CD drauf, ich hätte an dem Album mitgewirkt. Ganz ehrlich: Hätte man erst gefragt, hätte ich die Songs bzw. die Songparts nicht freigegeben. Solche Dinge schaden der eigenen Hauptband auf Dauer.“ Doch wo sich so manche Deutschen über die Menge an Italo-Formationen beschweren, freuen sich andere ihre Lebens und behandeln jede Band gleich: Man urteile nach der Mucke und nicht nach der Herkunft.

Schon wieder Metal aus Italien

„Wir haben für dieses Jahr wieder eine Anfrage bekommen, in Südamerika zu spielen, nachdem wir bereits mit dem ersten Output dort unterwegs waren. Die Menschen hatten keine Vorurteile oder dachten ‚och, schon wieder Italiener. Rhapsody und Labyrinth sind genug’. Ihnen gefiel unsere Musik und das war´s. Wobei ich auch nicht, aber absolut nicht, verstehen kann, wie manche Vision Divine mit Rhapsody vergleichen können. Das ist doch echt nicht derselbe Sound.“ Besondere Erwartungen hatten Olaf und Fabio mit Vision Divine nicht, denn wie Olaf erzählt, hat das Ganze in erster Linie als Freundschaftssache angefangen. „Fabio und ich waren beide in der ersten Besetzung von Labyrinth und wir sind wirklich sehr gut befreundet. Und neben unseren beiden anderen Bands wollten wir einfach mal wieder etwas einfach nur aus Spaß an der Musik machen.

Sobald man als Künstler oder Combo ein wenig Erfolg hat, wird man Teil der Business-Maschinerie.

Um Karriere geht´s nicht

Und in der habe ich mich erst gar nicht ausgekannt. Kennt man sich dort erst einmal aus, steckt man auch schon mittendrin. Mit Vision Divine ging es uns nie darum, Karriere zu machen. Wir haben die Band aus Spaß am Spielen, an der Musik gestartet und erst in einer Garage geprobt. Sicher mit dem Gedanken im Hinterkopf, vielleicht irgendwann mit dieser Band eine Scheibe herauszubringen. Nachdem sich besonders für Rhapsody die Geschichte sehr erfolgreich entwickelte und eben erwähnter Businesskram dazukam, wollten sowohl Fabio als auch ich wieder dieses ungezwungene Anfangsfeeling haben.

Genau das, was gewollt war

Gut, es ist heute auch nicht mehr dasselbe, da wir einfach mit Labyrinth und Rhapsody schon unsere Erfahrungen im Musikzirkus gesammelt haben, aber mit Vision Divine haben wir wirklich alle Freiheiten dieser Welt. Erfolg zu haben bedeutet für mich nicht, eine Unmenge an Geld zu verdienen und sämtliche Titelblätter zu zieren. Ich kann nur sagen, dass Vision Divine exakt die Band ist, die wir beide neben unseren anderen Aktivitäten wollten.“ Da war es natürlich auch nötig, ein entsprechendes Label zu finden, dass die Band nicht in eine ungewollte Richtung schubst. „Mit Athreia haben wir genau den richtigen Partner gefunden und obwohl wir sicher keine große Band sind, sind wir neben Warlord ihr bekanntestes Pferd im Stall.

Die Sache ist einfach die, dass man, sobald man ein wenig Erfolg hat, mit Forderungen konfrontiert wird. Und das ist bei dieser Plattenfirma nicht der Fall“, schwärmt der Klampfer drauflos. Verspürt man den genannten Druck, genau diese oder jene Platte abzuliefern, können die Kreativität und die Zufriedenheit über die eigene Leistung schon einmal leiden. „Ich weiß nicht ob es für andere Künstler wichtig, etwas Zweites am Laufen zu haben, bei dem sie sich ohne jegliche Erwartungen ausleben können. Für Fabio und mich ist es das.

Es gibt genug Musiker, die sich ausschließlich auf eine Geschichte konzentrieren wollen.

Aus dem Inneren heraus

Auf unserer neuen Platte konnte Fabio auch genau das machen, was er wollte. Ich finde, er singt wirklich anders, teils dreckiger, als man es von ihm bei Rhapsody gewohnt ist. Eine interessante Sache, was aus einem Künstler alles rauskommt, wenn er ganz nach seinem Gefühl gehen kann und sich nicht selbst in seiner Interpretation limitieren muss.“ Doch kurz noch zu einem anderen Thema: In Italien gibt es seit geraumer Zeit einen kleinen Fernseh-Sender mit dem Namen Rock TV, der auch schon Aufnahmen von Bands aus dem Proberaum liefert. Tolle Sache. Ganz besonders toll ist auch der Fakt, dass man den Sender nur über Sat und den ganzen Krimskrams reinkriegt. Und vor einiger Zeit waren dort auch Labyrinth bei ihren nicht alltäglichen Übungsstunden zu bewundern.

„Oh Gott, war das daneben“, lacht Olaf. „Bei uns übt jeder alleine an seinem Instrument und ansonsten tragen wir eben die Ideen für neue Songs zusammen. Aber in den Proberaum stellen wir uns mit Labyrinth nur noch die letzten Tage, bevor wir touren. Wir waren es gar nicht mehr gewohnt, zu proben und haben eine Unmenge an Fehlern reingehauen. Ein Hund nach dem anderen. Wir haben uns fast weggeschmissen vor Lachen.

Sender-System

Außerdem waren noch einmal beim Sender um eine Ausstrahlung zu moderieren, Fanpost entgegen zu nehmen und werden für weitere Aufnahmen auch bald wieder bei Rock TV sein. Italien mag zwar nach außen hin eine Menge neuer Bands haben, doch wirklich groß sind in Italien nur wenige. Und auf die wird eben bei diesem Sender in erster Linie gebaut.“ Kann man nur hoffen, dass solche Idealisten auch ihre Nachahmer in unseren lahmarschigen Gefilden finden.

Denn sich als Rock- oder Metal-Fan hinstellen und die Mami vollheulen, dass die Welt so böse ist und keiner uns liebe Rocker will, ist einfach. Nur wird halt mal leider Gottes auch niemand auf unsere ‚Spezies’ aufmerksam, wenn wir selbst den Allerwertesten nicht hochkriegen. Oder wie sagt man so schön beim Arbeitsamt: ‚Jo, glaum sie, dass irgendwea bei eana vorbeischaut und eana an Dschob noch trogt?

photocredit: By Jalo (Own work) [Public domain], via Wikimedia Commons

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