Interviews

Veröffentlicht am 22.06.2015 von nemesis

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Prong

“Mit ein paar Bier intus fange ich selbst an, meine Musik zu genießen“

Tommy Victor meldet sich mit seinem Baby und einem neuen Album wieder zurück im Musikzirkus. Der neue Silberling der Musikers und seiner Mitstreiter wird dabei nicht nur allen Erwartungen gerecht, sondern bietet einen klasse Song nach dem anderen. Mit viel Überzeugungskraft und Ideenreichtum. Tommy selbst ist sich noch nicht so ganz schlüssig, ob er mit allem zufrieden sein soll oder nicht, wie er erzählt.

„Ich wünscht, die Platte wäre auch in Amerika bereits auf dem Markt. Dann könnte ich auch mehr dazu sagen, wie die Scheibe ankommt und ob ich mit dem Ergebnis zufrieden bin oder mit mehr oder weniger gerechnet habe. Ich selbst mag die Platte total, ich habe konzentriert an den Stücken gewerkelt, mir den Arsch aufgerissen – und das war alles, was ich von mir selbst erwartet habe.

Am wichtigsten war es immer, Stücke mit Qualität, Songs, die es wert sind, auf einem Album zu landen, zu schreiben.

Raus und volle Action

Keine zu aufgeblasene Produktion, keine besonders große Konzentration auf Innovation. Einfach nur gute Songs, die für sich selbst sprechen können. Mitunter auch, weil das Budget für die Produktion nicht gerade immens war. Was mich am meisten dabei beeinflußt hat, wenn ich an die Zeit vor dem neuen Album denke, waren die Konzerte und die Touren. Oder vielmehr: Die Zeit ohne auf der Bühne zu stehen. Das hat mich psychisch echt fertig gemacht”, gibt Tommy zu.

Für einen Vollblutmusiker eh der Albtraum schlechthin, außer man hält es wie Arjen Lucaßen, dem sein Studio tausend Mal lieber ist als auch nur ein Bühnenscheinwerfer.

Songs und was dahinter steckt

„Einige der Songs, wie etwa „All Knowing Force“ oder „Detached“ legen mehr Frustration als Hoffnung an den Tag. Ebenso sind einige Stücke dabei, die sich auf Zeiten beziehen, die einige Jahre zurückliegen. Wie es aussieht, haben sich die Konzerte für dieses Jahr erledigt – außer ein weiteres Label schnappt sich die aktuelle Platte („Scorpio Rising“) und unterstützt eine Tour. Andernfalls wird 2003 wahrscheinlich nichts mehr auf dem Live-Sektor geschehen.“ Same procedure as always.

Wie sich eben das Biz ändert

Doch daß selbst Bands oder Projekte wie Prong unter dieser Entwicklung zu leiden haben, grenzt schon fast an Hohn. Und auch diesmal kann Tommy seine musikalische Karriere von zwei Seiten sehen, sie mit gemischten Gefühlen betrachten: „Meine bisherige Laufbahn beinhaltete immer einen gewissen Teil Frustration. Was daran die wichtigste Zeit war oder was mir am meisten gegeben hat, könnte ich nicht einmal genau sagen. Ich hoffe, daß sich all diese Punkte einmal ändern werden und es da draußen noch etwas anderes gibt – doch ich bin wohl auch niemals wirklich zufrieden.“

Bäumchen-wechsel-dich, wenn nötig

Wer ein wenig mit der History von Prong vertraut ist, weiß, daß Tommy nicht unbedingt immer die gleichen Musiker an seiner Seite hat. „Monte und Dan, die nun mit dabei sind, unterstützen die Idee hinter Prong total. Aber es ist wirklich schwierig, solche Leute zu finden. Die beiden nehmen viel Anteil an der Musik, bringen sich toll ein, doch ich denke nicht, daß sie wirklich so tief in der Message von Prong und den tieferen Schichten der Musik stecken. Jene Tiefe, die Prong ist. Ich frage mich, ob dieser Punkt überhaupt jemanden interessiert.

Einige der Jungs, mit denen ich in der Vergangenheit gearbeitet habe, haben eigentlich gar nichts miteingebracht, die ganze Sache null unterstützt. Sie waren vielmehr manchmal eine Bremse.“

Weltverbesserer Tommy?

Tommy betrachtet seine Musik und ebenso die Texte als eine Art Kopieren, Nachspielen des Lebens. „Ich möchte Prong als Erfahrung für die Hörer. Mit Freude etwas lernen, eine angenehme Erfahrung. Die Musik soll die Leute bewegen, sie nicht runterziehen oder so. Wenn ich ein paar Bier intus habe, fange ich sogar selbst an, meine Musik zu genießen. Der Sound ist nicht wirklich möchtegern-düster oder aufgesetzt ärgerlich. Was ich allerdings ändern würde, wenn ich könnte, wäre, daß es Egoismus, Stolz, Unehrlichkeit, Betrug allgemein und unloyales Verhalten nicht mehr existieren würden. Das würde ich gern ändern. Die Menschen sollten mehr zusammenhalten und sich ein wenig wie Sportteams verhalten – mehr nebeneinander, mehr miteinander.

Es ist erschreckend, wie leicht, oft und viel und ebenso leichtfertig betrogen wird.“ Und daß Betrug nicht immer heißen muß, daß man jemanden finanziell übers Ohr haut oder in einer Beziehung fremd geht, ist auch irgendwo klar. Insofern hat Tommy absolut recht, denn wie schnell betrügt man einen anderen nur um eine kleine Gelegenheit, für sich selbst etwas zu tun, wie schnell bringt man einen anderen Menschen um verdiente Achtung und wie leicht fällt es, einem anderen Zeit zu rauben.

Die Einfachheit des Seins

„Ich glaube ehrlich gesagt nicht mehr so sehr daran, daß viele anfangen nachzudenken, wenn sie meine Platten, meine Songs hören oder die Texte mitbekommen. Aber ich bringe immer noch einen gewissen Stolz in meine Lyrics ein. Ich habe eine Menge mitgemacht und erlebt – und ich muß meine Reflektionen dessen und meiner Gefühle teilen. Irgendwie. Doch ich will nicht predigen – jeder muß für sich selbst lernen, man kann niemanden etwas sagen. Nicht wirklich.

Man kann es noch so gut, ehrlich und richtig meinen, deswegen rutscht der eine oder andere doch in die Scheiße oder geht ihr gar nicht aus dem Weg. Ich für meinen Teil möchte Freude in meinem Leben, eine gute Zeit, möchte meinen Teil dazu beitragen, glücklich zu sein, kreativ und produktiv zu sein. Ich sitze gern in einer Bar und trinke ein Bier, ebenso bin ich gern mit meinem Mädchen und meinen Kindern zusammen. Am Ende sind es oft die einfachen Dinge im Leben, die wirkliche Freude bringen. Und darum geht es doch im Grunde.“

photocredit: By pezisocks [CC BY-SA 2.0], via Wikimedia Commons

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