Interviews

Veröffentlicht am 01.02.2016 von nemesis

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Tobias Sammet von Edguy über Karriere und neue Pläne

Hinterm Ofen vorgezogen: The Savage Poetry und was Avantasia eigentlich werden sollte

Lefay hatten es vorgemacht: Eine alte und mittlerweile vergriffene Scheibe, ob nun Demo oder nicht, noch einmal neu aufzunehmen. Edguy hatten sich hier schon ein wenig mehr vorgenommen, und nachdem mich Sänger Tobi Sammet erstmal mit dem Zusammenhang zwischen Hasenohr und Esther Haze zugelabbert hatte, bekam ich sogar ein paar vernünftige Kommentare zu hören. Wenn man Caspers Geblödel zwischendurch weglässt, das immer wieder erfrischend ist. Edguy- und Power Metal-Fans stand also eine neue Auflage der ersten Edguy-Scheibe Savage Poetry ins Haus.

Aufgehübscht und aufgepimpt

Nur heißt sie dann THE Savage Poetry und … „außerdem hatten wir an dem alten Material rumgefeilt. Im Endeffekt haben wir aus alten Edguy-Songs neues Material gemacht.“ Während sich nun mancher denken mag, es hätte gereicht, wenn man die alten Aufnahmen nur Sound technisch aufgefrischt hätte oder einfach stier nochmal eingespielt hätte, hatte die Rechnung ohne Edguy gemacht. „Wir hatten damals zwar schon ganz gute Ansätze im Songwriting, aber die ganze Sache war einfach zu unausgegoren. Zudem waren wir auch an unseren Instrumenten schlechter als heute. Zum Zeitpunkt als diese Scheibe geschrieben wurde, waren wir so an die 16/17 Jahre alt.

Das güldene Demo

Hätten wir die Platte ohne jeglichen Kommentaren heraus gebracht, hätte das der Band zum damaligen Zeitpunkt nur geschadet. Die Leute, die uns noch nichtkannten und sich dachten ‚ui, das ist die neue Edguy-Platte, von der man in den Magazinen liest‘, hätten sich wahrscheinlich am Kopf gekratzt und wären sicher nicht als neue Fans dazukommen.“ Wie Tobi weiter in erfrischendem Redeschwall erzählte, hatte man sich also das Material vorgenommen und neue, spontane Ideen mit dazu gepackt. „Bei manchen Songs hatten wir ganze Teile rausgenommen und neue Passagen eingesetzt. Ebenso wurden einige Chöre drauf gepackt.“ Savage Poetry, für die die Youngsters damals ‚eine Ewigkeit‘ gespart haben und die dann in einer Tausender-Auflage erschien, kam nicht unbedingt an viele Fans, denn die meisten Exemplare wurden an Labels verschickt, wodurch man dann auch zu AFM gelangte.

Wer nun aber ein richtiger Fan ist, will halt aber auch das noch so unfertige Erstlingswerk seiner Faves haben und so hatte die Erstauflage von The Savage Poetry ein kleines Zuckerl zu bieten. „Bei der ersten Ladung gab es in limitierter Form die Original-CD mit dazu. Die Leute konnten sich dann einen Überblick über die Entwicklung der Band verschaffen.“ Und um niemanden in den Ruin zu treiben, flubberte diese Erstauflage mit zwei Silberlingen zum Preis einer CD über die Ladentische.

Um niemanden in den Ruin zu treiben, flubberte diese Erstauflage mit zwei Silberlingen zum Preis einer CD über die Ladentische

Zum Wohle der Band

Gerade jungen Bands, die bereits mit einigen Erfolgen aufwarten oder nicht in der musikalischen Bedeutungslosigkeit herum pflunzen, wird ja des Öfteren auch nachgesagt, sie seien – nun sagen wir mal: abgehoben. Vor allem, wenn manch einer den Humor der betreffenden Personen einfach nicht versteht. Nur würde sich eine solche Band wohl keine Sorgen machen, wie unkommentiertes und nicht überarbeitetes Material auf neue Hörer wirken könnte.

„Nicht jeder Metal-Fan hat Edguy ins Herz geschlossen, und ehrlich gesagt würde ich nicht damit klar kommen, mit einer solchen Aktion der Band zu schaden, was garantiert passieren würde. Außerdem käme dann von einigen noch der Comment ‚und Witze kann er auch nicht machen‘ nachgeschoben.“ Es waren auch zu Beginn dieser Karriere Stimmen laut geworden sein, die meinten, man versuche sich auch durch Blödeleien als Helloween-Kopie. Und Edguy seien durch den Erfolg von Vain Glory Opera abgehoben, was Tobi recht trocken kommentierte:

Ausgekontert

„Ich hab` echt mal die Gegenfrage gestellt, ob ein Bäcker abhebt, wenn er seinen zweiten Laden aufmacht. Wenn ich was nicht leiden kann, ist das Arroganz und elendes Geschleime. Die Bravo-Kids brauchen das vielleicht, dass sie von oben herab mit einem Blick à la ‚ihr seid doch alles Idioten‘ angegrinst werden.“ Nun sind wir wieder um einiges schlauer. Neben der Neu-Veröffentlichung von The Savage Poetry reifte damals auch die Idee bei Tobi zu seinem Mammut-Projekt Avantasia (dessen neue Platte im Januar 2016 erscheinen wird) – auch wenn die Pläne damals noch absolut ausgereift waren und er von „irgendwas Richtung Rock-Oper“, erzählte. Das Fundament war gesetzt und die ersten Unternehmungen begonnen.

Neben der Neu-Veröffentlichung von The Savage Poetry reifte damals auch die Idee bei Tobi zu seinem Mammut-Projekt Avantasia

Der Weg zu Avantasia

Die Liste der Musiker, die er sich hierfür unter den Nagel gerissen hat, liest sich jedenfalls schon mal verdammt gut. „Bob Catley ist mit dabei, Andre Matos von Angra, Andi Deris (Helloween), Kai Hansen (Gamma Ray), Eric Singer, Alex Holzwarth, Henjo Richter (Gamma Ray), Markus Großkopf (Helloween), Deavid DeFeis von Virgin Steele, Michael Kiske….“. Es war ja schon lange allseits bekannt, dass Tobi ein riesiger Kiske-Fan ist, aber es hätte damals wohl keiner damit gerechnet, außer dessen Solo-Alben nochmal was von ihm anderweitig und metal-lastiger zu hören.

Wie man sich täuschen sollte. „Ich habe ihn auch solange genervt, bis er zugesagt hat, hähä. Mit den anderen Musikern von Helloween ist das auch recht witzig, die machen echt alles mit: Sinner, Catch The Rainbow,….! Die sind bei einer Agentur namens ‚Rent A Musician‘.

Voll vergaloppiert

Da kann man auch anrufen und sie zum Rasenmähen bestellen.“ Ja, mä! Der Sinn und Zweck dieser Rockoper oder wie man das auch immer zu Beginn nennen wollte, bestand jedenfalls nicht darin, irgendwann auch einmal live erlebbar zu sein. Ups, und nun…Tobis Pläne sahen wir folgt aus: „Ich möchte einen einmaligen Moment auffangen und damit hat es sich dann. Ich könnte jetzt nicht einmal was über die Story erzählen, die Texte sind viel zu lang und die Thematik zu kompliziert.“ Eigentlich sollte man meinen, dass der Schreiber wenigstens selbst durchblickt. Aber wer Edguy zumindest schon mal live on stage erlebt hat, weiß ja, was superwichtig ist: Blödeln, seltsame Kommentare und Antworten ablassen, sich selbst verarschen und zwischendurch mal Musik machen … Zitat Tobi: „Wann man halt als Musiker so in der Früh aufsteht… um eins nachmittag“.

Am 29. März 2016 werden Avantasia beim Full Metal Mountain in Tröpolach mit ihrem neuen Album Ghostlights zu erleben. Soviel zum Thema „einmalig und nicht live“.

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