Bands

Veröffentlicht am 22.02.2016 von nemesis

0

Megadeth – ein Geschichte aus Trotz heraus

Die Megadeth History ist eigentlich die Geschichte eines Mannes namens Dave Murray, der bis 1983 bei den Bay Area Trashern von Metallica in Lohn und Brot stand. Nach einer Schlägerei mit James Hetfield musste er allerdings dort seine Koffer packen und gründete zusammen mit Gitarrist Robbie Cromwell und Drummer Mike Leswick die Band Fallen Angels – Dave Mustaine selber spielte ebenfalls Gitarre und zeichnete sich obendrein für die Vocals verantwortlich. Die Band existiert allerdings nur sechs Monate und löst sich anschlie?end wieder sang- und klanglos auf. Im Folgenden tut sich Dave Mustaine mit Dave Ellefson (Bass) und Drummer Lee Rash unter dem Banner von Megadeth zusammen.

„The Threat Is Real“

Damit sich Dave Murray mehr auf den Gesang konzentrieren kann wird er zunächst vom späteren Slayer Gitarristen Kerry King entlastet, bevor Chris Poland, der eigentlich aus dem Jazz Bereich stammt, diesen Posten übernimmt. Bevor allerdings die erste Langrille von Megadeth auf den Markt kommt, ersetzt Gar Samuelson Drummer Lee Rash. Als Vorteil erwies es sich, dass Chris Poland und Gar Samuelson vorher bereits in einigen Jazz Metal Formationen zusammen gespielt haben und Megadeth somit mit neuen Einflüssen versorgen.

Leichter Punk-Touch des Sounds

Ende 1984 wird dann das Album Killing Is My Buisenss…And Buiseness Is Good eingespielt. Allerdings war das Budget für die Aufnahmen recht knapp (es standen 4000 Dollar sowie 10 Recording Tage zur Verfügung), so dass die Band gezwungen war den Producer während den Aufnahmen zu feuern und die Platte selber zu produzieren. Das gipfelt schließlich in einem grottenschlechten Soundbild der Scheibe, auch wenn der punkige Jazz-Speed Metal gut bei Insidern ankommt.

Zudem feuert Dave Mustaine in Interviews häufiger gegen seine ehemaligen Kumpels von Metallica und betont immer wieder, dass Metallica einige seiner Ideen für deren allseits gefeiertes Debutalbum Kill Em All benutzt hatten. Um das quasi zu unterstreichen steht mit The Mechanix eine Nummer auf der Megadeth Debutscheibe, die als Äquivalent zu The Four Horseman von Kill Em All durchgeht.

Der erste Einschlag

Nach erfolgreich absolvierter Amerika-Tour gehen die Jungs erneut ins Studio um den Nachfolger Peace Sells…But Who Is Buying? einzuhämmern. Mit dieser Scheibe gelingt der Band der Durchbruch, was nicht zuletzt an der finanzstarken Company Capitol liegt, die diese Scheibe veröffentlicht. Allerdings tut die knallharte Produktion in Kombination mit treibenden Gitarrenriffs und erstaunlich gesellschaftskritischen Texten ihr übriges um die Band zu etablieren und einen ersten Meilenstein abzuliefern.

Knallharte Produktion in Kombination mit treibenden Gitarrenriffs und erstaunlich gesellschaftskritischen Texten

Der Titelsong entpuppt sich gar als erfolgreiche Videosingle und so sind Megadeth nach dieser Scheibe urplötzlich eine erfolgreiche Band, was allerdings nicht spurlos an den Herrschaften vorbeigegangen ist. Massive Drogenprobleme sollten fortan fest zu der Band gehören und zerstörten nicht zuletzt das aktuelle Line-up. Als dann die Arbeiten im Studio zur nächsten Scheibe anstanden, waren Gar Samuelson und Chris Poland nicht mehr mit von der Partie – ersetzt wurden diese durch Chuck Behler (Drums) sowie Jeff Young (Gitarre).

„In My Darkest Hour“

So Far, So Good…So What aus dem Jahre 1988 entpuppt sich als äußerst erfolgreiche Scheibe und beschert Megadeth den endgültigen kommerziellen Durchbruch. Ebenso kann bei So Far, So Good…So What auch die Produktion überzeugen, die komplett in den Händen von Workaholic Dave Mustaine lag. Lediglich beim Mix wurde er von Produzentenlegende Michael Wagener unterstützt.

Scheinbar fand Dave Mustaine dermaßen viel Spaß dabei, eine Platte zu produzieren, dass er es sich auch nicht nehmen ließ, die von ihm entdeckte Band Sanctuary zu produzieren, deren wichtigste Mitglieder heutzutage erfolgreich unter dem Banner von Nevermore segeln. Trotz des Erfolges von So Far, So Good…So What verlässt Gitarrist Jeff Young die Band, was nicht zuletzt mit den immer größeren Drogenproblemen von Bandleader Dave Mustaine zu tun hatte.

Trotz des Erfolges von So Far, So Good…So What verlässt Gitarrist Jeff Young die Band

Die werten Drogensorgen

Mustaine selber führt seine Drogenprobleme auf seine Mutter zurück, die ihn im Teenageralter hat sitzen lassen, beginnt aber mit einer Therapie und festigt in den nächsten Monaten auch zunehmend sein Privatleben. Aber zurück zu Megadeth, die immer noch ohne Gitarristen und Drummer dastanden, nachdem auch Chuck Behler seine Koffer gepackt hatte. Nachdem Pantera Gitarrist Darrell Lance ein Angebot von Megadeth abgelehnt hat, findet man mit Marty Friedman einen neuen Gitarristen, der perfekt in das Line-up von Megadeth zu passen schien, harmonierte seine oft eigensinnige Art die Gitarre zu spiElen doch bestens mit den Kompositionen von Meister Mustaine.

Überhaupt befindet sich die Band zu diesem Zeitpunkt auf dem vorläufigen Höhepunk

Mit Nick Menza findet man zudem einen neuen Drummer und die Arbeiten an der nächsten Scheibe Rust In Peace (1990) konnten in aller Ruhe abgeschlossen werden. Heraus kam ein weiteres Spitzenalbum, welches aufgrund des gefestigten Line-ups wohl zu den besten Megadeth Werken überhaupt zu zählen ist. Überhaupt befindet sich die Band zu diesem Zeitpunkt auf dem vorläufigen Höhepunkt und hinterlässt auch Live einen superben Eindruck, was wohl auch an dem zurückgegangenen Drogenkonsum gelegen haben dürfte.

„A Tout Le Monde“

An die Spitze mit Countdown To Extinction

Wie auch immer: Das Line-up hält glücklicherweise und das 92er Album Countdown To Extinction avanciert zum größten Erfolg der Bandgeschichte und verkauft sich weltweit gut drei Millionen mal. Musikalisch kommt diese Scheibe allerdings ein wenig simpler und beherrschter daher und klingt zum ersten mal nicht wie ein vorüberdonnernder Speed Metal Zug. Es schließt sich eine Tour im Vorprogramm von Metallica an, bis 1994 dann das ruhigste Megadeth Album erscheint: Youthanasia.

Erstmals in der Karriere der Band erscheint eine mehr an Rock als Metal angelehnte Platte und zu allem (kommerziellen) Überfluss koppeln Megadeth mit dem durchschnittlichen A Tout Le Monde auch noch eine Ballade aus, was insbesondere die Die-Hard Metal Fans eher skeptisch aufnehmen. Und als ob das noch nicht genug gewesen wäre erscheint die Scheibe im April 1995 erneut als Special Edition, die zusätzlich noch eine CD namens With Hidden Treasures enthält auf der sich B-Seiten und Songs befinden, die Megadeth für diverse Filmsoundtracks komponiert haben. Aber das Leiden für die Megadeth Jünger nahm kein Ende.

Aber das Leiden für die Megadeth Jünger nahm kein Ende.

Ausflug mit MD.45

1996 nimmt Dave Mustaine zusammen mit Fear Sänger Lee Ving und ex-Suicidal Drummer Jimmy De Grasso ein Punk Metal Album unter dem Namen MD.45 auf. Die Scheibe The Craving – das einzige Lebenszeichen dieser Formation – bleibt dabei aber relativ erfolglos, so dass sich Dave Mustaine bald wieder auf Megadeth konzentriert. Dies äußerst sich schließlich 1997 mit der Top Ten (USA) Scheibe Cryptic Wings, die sich stilistisch wieder an den frühen Werken von Megadeth orientiert ohne freilich deren Niveau zu erreichen. Zu durchschnittlich wirkte das Ganze, auch wenn das dem Erfolg der Band keinerlei Abbruch tat. Ganz im Gegenteil: Im August 1997 erschien sogar mit Chaos eine Comicserie mit illustrierten Geschichten zu einigen Megadeth Songtiteln bzw. -inhalten.

Band-Karussell

Doch der Erfolg konnte das langlebigste Line-up offenbar auch nicht zusammen halten: So verließ Drummer Nick Menza die Combo und wurde durch Jimmy DeGrasso ersetzt, mit dem die nächste Scheibe Risk eingetrommelt wurde, die 1999 erschien. Und obwohl die Verkaufszahlen auch bei Risk mehr als zufriedenstellend waren, konnte der Longplayer aufgrund der modernen Ausrichtung längst nicht jeden Supporter der Band zufrieden stellen.

Es folgte eine Support Tour für Iron Maiden, auf deren Reunion Shows mit Bruce, bei denen Megadeth einen recht schwachen Eindruck hinterließen und zu keinem Zeitpunkt zu überzeugen wussten. So kam es dann auch nicht gerade unerwartet, dass Gitarrist Marty Friedman die Band verließ und durch Al Pitrelli, der von Savatage kam, zu Megadeth wechselte. Sicherlich ist Al Pitrelli ein guter Gitarrist, aber gerade das spezielle Gitarrenspiel von Marty Friedmann machte einen HGrossteil des Megadeth Sounds aus.

Back To The Roots

Im Jahre 2000 hielten sich die Jungs absichtlich zurück und veröffentlichten mit Capitol Punishment eine halbherzige Best Of, um aus dem laufenden Vertrag herauszukommen. Ein Vertrag mit Sanctuary wird unterschrieben und schon bald tönt es aus dem Lager der Jungs, dass man sich wieder auf alte Stärken besinnen will – was mit dem im Jahre 2001 erschienenen Album The World Needs A Hero nicht wirklich gelingt. Zwar sind die modernen Elemente der Risk Ära wieder verschwunden und Megadeth zeigen sich auch sichtlich bemüht, wieder an alte Zeiten anzuknüpfen, aber so recht zu überzeugen vermag The World Needs A Hero nun wirklich nicht.

Das damit gleichzeitig das letzte Studioalbum der Band erschienen ist, hätte damals wohl niemand gedacht

Das damit gleichzeitig das letzte Studioalbum der Band erschienen ist, hätte damals wohl niemand gedacht. Aber es war tatsächlich so: Im Jahre 2002 verkündet Bandleader Dave Mustaine, dass er zu krank sei um weiterhin mit Megadeth spielen bzw. arbeiten zu können und er sich lieber auf andere Studioprojekte konzentrieren möchte. Als Abschiedsgeschenk erscheint noch die Live Doppel CD Rude Awakening, die zwar einige Wochen vor dem offiziellen Abschied erschien, im Nachhinein aber zum letzten Release der Band geworden ist. Rude Awakening ist dabei ein perfektes Dokument über sämtliche Megadeth Alben und zeigt die Band Live von ihrer besseren Seite, auch wenn das Line-up natürlich nicht für die frühen Killeralben verantwortlich ist.

Gerüchte gab es in den Jahren genug, von Selbstmordversuchen war die Rede und, und, und. Dennoch war doch nie wirklich das Ende dieser beeindruckenden Combo angesagt. Allen Gerüchten zum Trotz sind Megadeth anno 2016 wohl besser und stärker als jemals vorher in ihrer Karriere unterwegs und Dave Mustaine hat seinen ehemaligen Kollegen von Metallica gezeigt, wo der echte Metalhammer hängt.

Aktuelles Line-up:

Gesang, Lead- & Rhythmusgitarre: Dave Mustaine
Gitarre: Kiko Loureiro
Bass: David Ellefson

Alben:

  • Killing Is My Business… And Business Is Good!
  • Peace Sells… But Who’s Buying?
  • So Far, So Good… So What!
  • Rust in Peace
  • Countdown to Extinction
  • Youthanasia
  • Cryptic Writings
  • Risk
  • The World Needs a Hero
  • The System Has Failed
  • United Abominations
  • Endgame
  • Th1rt3en
  • Super Collider

Aktuelle Platte: Dystopia

photocredit: By Ingo Hoffmann [CC BY 2.0], via Wikimedia Commons

Tags: , , , , , , ,


About the Author



Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Back to Top ↑
  • Aktuelle Artikel

  • PARADOX Musikmagazin

  • Newsletter

    Trage ich hier in unsere Newsletter ein und bekomme von uns immer alle Szene-News aus erster Hand!

  • Monatsübersicht