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Veröffentlicht am 01.03.2017 von nemesis

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Overkill

Das Monster in der Hand

Overkill werden in diesem Jahr den Fans noch gewaltig einheizen. So wird am 16. April eine Sondershow in Oberhausen in Deutschland stattfinden (Turbinenhalle), auf der die Kultband die beiden Alben Feel The Fire und Horroscope in voller Länge spielen wird. Damit nicht genug, dieses Konzert wird live mitgeschnitten, damit auch alle Fans später etwas davon haben können – nämlich als Live-DVD.

Doch, drehen wir ein bisschen an der Uhr, nicht alle Zeiten waren so rosig für Frontröhre Bobby „Blitz“ Ellsworth und seine Kumpanen. Aber: Man packe den Kampfgeist aus.

Kalender auf 2002

2002 war wohl eine Zeit lang nicht unbedingt das Jahr von Overkill-Sänger Bobby Ellsworth – so musste die Kultband das Bang Your Head canceln, nachdem Bobby am Tag zuvor beim Konzert in Nürnberg einen ziemlichen Hammer gesundheitstechnisch zu erleiden hatte. Die einschlägige Presse hatte genug darüber geschrieben – insofern muss man wohl nicht noch einmal drauf eingehen. Bobby schien sich danach allerdings und Gott lob mehr als prächtig erholt zu haben und der nächste Schlag der Thrasher, Killbox 13, macht dies auch mehr als deutlich. Und auch Bobby´s Laune war exzellent, wie er durchscheinen ließ.

„Down To The Bone“

Von seiner dezent dreckigen Lache begleitet, begann der Fronter das Interview mit einem „wir sind absolut happy. Es war eine Menger Arbeit, die wir in die neue Platte investiert haben und das auf einem sehr hohen Level. Es war eine phantastische Zeit. 2000 erschien die letzte Studio-Scheibe von Overkill vor diesem Output – diesmal hatten wir soviel Zeit für eine neue Platte wie noch nie zuvor.“ Was dem unabhängigen Geist und Charisma der Band noch mehr Tiefe verleiht. „Wir sind eben, wer wir sind. Gut, wir wissen auch, was man von uns erwartet, aber dennoch gehen wir unseren eigenen Weg.“ Vielleicht ist es aber auch genau das, was die Fans von Overkill erwarten: Keine Songs, die so und so klingen, sondern eine Band mit eigenen Kopf und Persönlichkeit.

„In Union We Stand“

Musik selbst als Inspiration

„Fortschritt, Weiterentwicklung ist in meinen Augen eine ganz natürliche Sache im Leben. Aus etwas Kleinem immer etwas Größeres zu machen. Dabei litten wir nie unter Identitätskrisen, neue Elemente fügten sich problemlos in unseren Sound. Wenn alle Mitglieder immer noch diesen ‚Hunger’ verspüren, ist das kein Thema. Es ist zudem ein tolles Gefühl, sich immer wieder neu erfinden zu können.“ Als größte Inspiration sieht Bobby die Mucke selbst. „Riffs sammeln, einfach drauf los machen und das Beste behalten. Es ist ein toller Moment, wenn aus einer guten Riffidee ein kompletter Song entsteht. Und manchmal weiß am Ende dieses Prozesses, dass man ein Monster in Händen hält. Und allein diese Entwicklung ist wieder Inspiration für uns. Ich weiß nicht, ob manche Menschen Angst vor dem eigenen Fortschritt haben oder mehr vor der Tatsache, dass damit auch etwas Unerwartetes hervortreten kann.“

Allgemein mag aber auch die fehlende Chance in unserer ach so aufgeschlossenen Gesellschaft auf persönliche Freiheit ein Problempunkt sein. Fast jeder Nasenbär kann sich eine Knarre kaufen und kurzfristig seinen persönlichen Freiheitsdrang nach Hassbefriedigung erfüllen – aber wehe, man will einen unkonventionellen Berufsweg/ -zweig einschlagen… „Es ist definitiv so, dass die Menschen heute mehr um persönliche Entfaltung in dieser Richtung kämpfen müssen. Man ist immer der öffentlichen Meinung bzw. jener der Menschen im direkten Umfeld ausgesetzt. Und genau diese Leute meckern meist ohne nachzudenken, ohne zu versuchen zu verstehen. Wir kümmern uns darum eben nicht.“

„Bring Me The Night“

Was vielleicht im Rahmen einer eingeschworenen Gemeinschaft auch leichter sein mag als bei einem ‚Einzelkämpfer’. „Wenn es morgen mit Overkill vorbei wäre – gut. Dann hatte ich immerhin eine Menge geniale Jahre mit der Band. Sicher braucht man immer Leute, die einen dabei unterstützen, etwas am Laufen zu halten. Es ist auch persönlich ein gutes Gefühl, wenn man Respekt in dieser Art erfährt. Ich führe keinen Freudentanz auf, wenn wir in einem Magazin volle Punktzahl bekommen. Gut, das ist eine schöne Sache, aber was passiert, passiert eben.“ Und damit meint Bobby auch so manche Dinge, die nix mit der Musik oder Karriere zu tun haben.

Die Grenzen des Lebens kennlernen

Wie zum Beispiel auch die gesundheitlichen Punkte, mit denen der Sänger bisher zu kämpfen hatte. Manch anderer hätte sich entweder aufgegeben oder wäre trotz guten Ausgangs zu am Ende, dass jeder Therapeut seine helle Freude beim Blick aufs Konto hätte. „Man lernt dadurch die Grenzen des Lebens kennen. Jemand wie ich geht nicht unter. Wenn man unten ist, bedeutet das doch nur, dass es wieder aufwärts gehen muss. Klar, man weiß, dass man bei der nächsten Gelegenheit vielleicht nicht mehr auf Beine kommt, auch das Zeitliche segnen kann.

Ich kann auch ohne Alk high sein

Doch ich nutze dieses Wissen und meine Erfahrungen in dieser Richtung als positive Energie für das Hier und Jetzt. Allein, dass ich bisher 18 Jahre an der Seite von D.D. Vernie (Basser der Jungs) headbangen konnte – und ich habe festgestellt, dass ich auch ohne Alk immer noch high sein kann“ – schwarzer Humor ist ja eigentlich was für Briten, aber wer mit Bobby´s Biographie vertraut ist, weiß, worauf er anspielt. Und auch wenn er sagt, es gehe ihm um die Musik und nicht um seine Person: Durch die Blume erfährt man eine ganze Menge über den Menschen Bobby Ellsworth. Man muss nur genau zuhören/ lesen. Und vielleicht zieht auch der eine oder andere etwas Nützliches aus Bobby´s Worten.

„Das Leben kann großartig und schrecklich sein. Es kommt immer darauf an, wie man die ganze Sache sieht.“ Da fällt mir wieder ein recht schlauer Spruch eines Philosophen ein (fragt mich bitte niemand, wer das war!!): Man kann nicht das Leben oder Tatsachen ändern, selten auch Menschen. Doch man kann seine Betrachtungsweise der Dinge ändern – und damit auch die Gesamtsituation. „Jeder hat sein Kreuz zu tragen – doch wenn man über das Leben nachdenkt, ist es ganz leicht, einen gewissen spirituellen Zugang zu finden, Dinge besser zu verstehen.“ Und lachend fügt Bobby an: „Wir wollten ein Buch schreiben.“

Titel? ‚Lebenshilfe aus dem Metalreich’, oder was?? Eines wird jedenfalls immer deutlicher, auch wenn ich dieses ‚Privileg’ nicht nur der Rock- und Heavy-Szene allein zuschreiben will: Künstler denken, in den meisten Fällen, einfach weiter, mehr und komplexer. Und möglicherweise ist das genau der Punkt, der einem Kraft gibt und Freigeister und Persönlichkeiten wie Bobby Ellsworth, Eric Clayton, Kai Hansen, um nur ein paar zu nennen, hervorbringt. Vielleicht sollten Politiker sich erstmal als Künstler versuchen… Hüstl.

„The Years Of Decay“ (full album)

Members:

Gesang: Bobby „Blitz“ Ellsworth
Bass: D. D. Verni
Gitarre: Dave Linsk
Gitarre: Derek Tailer
Schlagzeug: Ron Lipnicki

Demos:

Power in Black
Rotten to the Core
Feel the Fire

Studio-Alben:

Feel the Fire
Taking Over
Under the Influence
The Years of Decay
Horrorscope
I Hear Black
W. F. O.
The Killing Kind
From the Underground and Below
Necroshine
Coverkill
Bloodletting
Killbox 13
RELIXIV
Immortalis
Ironbound
The Electric Age
White Devil Armory

Live-Alben, Best-ofs…:

10 Years of Wrecking Your Neck (Live, Doppel-CD)
Wrecking Everything (Live)
Hello from the Gutter (Best of, Doppel-CD)
Unholy (Live, Doppel-CD)

EPs:

Overkill
!!!Fuck You!!!
!!!Fuck You!!! and then some (mit Bonustracks)

DVDs:

Wrecking Everything
Live at Wacken Open Air 2007

photocredit: By Thomas Huntke, Germany (the uploader). Contact through: http://www.huntke.de (Own work) [CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons

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