Konzerte

Veröffentlicht am 07.07.2015 von nemesis

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Earthshaker Festival 2003 – der Start

Earthshaker Fest 2003 – das Debut des Festivals

In diesem Jahr zum ersten Mal fand dieses Metal-Festival im Fränkischen statt – heutzutage ist es ja leider nicht mehr, daher ein kleiner wehmütiger Rückblick. Das Billing hatte von Beginn eine ganze Menge versprochen: Zum einen wirkliche Abwechslung, zum anderen aber auch nicht zu viele Bands auf einen Haufen und bei aller Bandbreite einfach Metal und Hardrock satt.

15 Jahre Justice und die Frage nach der frischen Luft

Am Freitag, dem ersten Tag des Festivals, feierten Justice ihr 15-jähriges Bestehen – man kann sich lebhaft vorstellen, wie es da abging. So hatten die fränkischen Metaller nicht nur ein Warm-up, sondern die bereits anwesende Meute auch ihren Fez im Partzelt. Das komplette Festival fand in einem riesigen Zelt statt – hatte ohne Frage den Vorteil, daß bei schlechtem Wetter doch alles wie geplant hätte laufen können. Nachdem sich aber auch an diesem Wochenende die tropischen Temperaturen daran machten, uns das schwitzen zu lehren, war untertags die Luft nicht soo der Brüller im Zelt. Staut sich halt scho a wenig. Positiv aufgefallen ist auf jeden Fall die Ballustrade für körperlich eingeschränkte Personen, die so ohne Probleme und mit guter Sicht auf die Bühne ebenfalls auf ihre Kosten kamen. Campingplatz, Toiletten, Security-Personal – alles bestens. Außer daß so gut wie niemand auf dem Gelände, inkl. der Sanis, Kopfwehtabletten rausrückte.

Kleine organisatorische Unliebsamkeiten

Leider ein wenig lau war dagegen die Möglichkeit, sich den Bauch vollzustopfen. Sicher, ein McDonald´s fünf Meter weg paßt schon, aber manchmal darf es eben auch für das Rockpublikum gern was anderes sein. Und ständig aus dem Zelt und vom Festivalgelände runterfetzen, wenn der Magen knurrt, ist nicht immer so bombastisch. Vor dem Gelände selbst gab es einen kleinen Imbißwagen – das war´s dann aber leider auch. Bar, Bierausschank und ein Rigo-Stand waren für genügend Flüssig zuständig. Wobei die Preise fürs Rigo, selbst wenn man das Pfand wegläßt, schon recht saftig waren. Und das Ganze dann auch noch – okay verständlicherweise zwecks Bühne und schmeißen – aus Plastik ;o)

Evidence One mit mächtig knackiger Power

Nachdem wir leider auch mal ein wenig Schlaf brauchen, haben wir einige der ersten Bands leider versäumt und stolperten während des Gigs von Evidence One in´s Zelt. Die Jungs hauten ordentlich auf die Pauke, präsentierten die Songs ihres ersten Albums knackig und mit klarem Sound. Sänger Carsten Schulz überzeugte, ebenso wie seine Kollegen, zu jeder Zeit und die Jungs legten eine Menge Spielfreude an den Tag. Danach gab es für einige erst mal den Schock fürs Leben: Powergod waren beim Friseur. Zumindest alles an Powergod, das vorher noch als Mattenträger durch die Landschaft eierte. Aber nun gut, Gitarrist Riff Randall sah nun aus wie ein Mitglied der Ärzte, Drummer Hama Hart ging als Punk erster Güte durch und schritt zudem nach dem Gig in voller Hautmontur von den Brettern. String-Tanga gab es schon noch, aber nach viel Schwitzen während des Spielens hatte er sich kurzerhand seiner Lederhose entledigt. Und die an pappenden Beinen wieder hochzuziehen, scheint sich wohl etwas schwierig gestaltet zu haben.

Von der Modenschau zur Mucke

Vom Ende des Powergod-Gigs noch mal zum Anfang: Band hopst auf die Bühne, Mister Klampfer schlendert zum Mikro, guckt die Leute an und meint „ich weiß nicht, wie es Euch geht, aber ich hab nen Steifen“. Wahrscheinlich hat sich der Gute in der Nacht nur verlegen und sich das Gnack verrenkt. Hüstl. Richtig klasse auch zwei Typen im Publikum, die sich aus Wasserflaschenkartons ein bzw zwei Schilder gebastelt hatten, um damit deutlich zu machen, daß sie gern „No Brain, No Pain“ hören würden. Die Auswahl der Songs ging querbeet, von den drei Parts von „Evolution“ bis zum Tribute-Album (u.a. Anthrax´ „Madhouse“). Musikalisch und auch was die Show selbst betrifft waren die Metalheads eines der Highlights dieses Festivals.

Annihilator wie immer Kult

Justice hatten danach einmal mehr ein Heimspiel und zogen auch härtetechnisch gewaltig vom Leder. Diesmal widmete sich die Band den Songs ihres Debutalbums anstatt ihrem langjährigen Ruf als klasse Coverband gerecht zu werden. Ob man nun auf grummlige Vocals steht oder nicht, der Sound bot auf jeden Fall eine Menge Power und klasse Strukturen und die Reaktionen der Fans war entsprechend enthusiastisch. Annihilator zeigten mit Dave Padden einen neuen Sänger in ihren Reihen und der machte seine Sache wirklich richtig gut. Gesanglich überzeugend und ebenso fit auf der Bühne machten ihm die Kultsongs der Metaller zu keiner Zeit irgendwelche Probleme und auch der Rest der Band drückte auf die Tube. „Alison Hell“, „Set The World On Fire“, „Shallow Grave“, „Refresh The Demon“ – jedes Stück saß bei den anwesenden Fans und das Publikum feierte die Amerikaner richtig gut ab.

Zeitlos: Doro und Pretty Maids

Pretty Maids enterten als nächstes die Bühne und begannen ihr Set ziemlich kraftvoll mit „Back To Back“ – man kann sich vorstellen, daß die Metalmeute da so richtig abging. Allerdings ließ die Songauswahl für Anhänger der härteren Schiene dann ein wenig nach. „Wouldn´t Miss You“, „Waiting For The Time“,… allesamt klasse Songs, nach dem furiosen Auftakt hätte man aber im Set vielleicht mehr Metal und weniger Hardrock erwartet. Ronnie Atkins wirkten einmal mehr routiniert, ob man aber den Eindruck von echter Spielfreude haben sollte, muß wohl jeder für sich selbst entscheiden. Die brachte aber Doro dafür umso mehr mit. Die Songzusammenstellung zeigte keinen großen Überraschungen, um Tracks wie „Burning The Witches“, „All We Are“ und „Für immer“ wird die Düsseldorferin wohl nie herumkommen. Daß Publikum ist aber bei solchen Stücken immer feste mit dabei und auch in Hirschaid wurde die Metallady lautstark gefeiert.

Nicht kaputt zu kriegen: Testament on stage

Testament, die Headliner des Festivals, dürften für viele der Hauptgrund gewesen sein, sich auf den Weg nach Hirschaid zu machen. Und Chuck Billy und seine Jungs machen nicht nur eine imposante Figur auf der Bühne, auch musikalisch und in Sachen Power können sich eine Menge jüngerer Bands noch viele Scheiben abschneiden. Ein Klassiker der Bay Area-Thrasher folgte dem anderem und trotz der späten Stunde begann für viele im Publikum die Party erst mit diesem Konzert. Fliegende Haare, Stage-Diving, lautstarkes Mitgröhlen – das ganze Programm „Wie feiere ich meine Band“ stand auf dem Programm. Ein würdiger Abschluß für ein Festival, bei dem die Metalheads noch mal so richtig auf ihre Kosten kamen.

Alles in allem ein kurzweiliges Wochenende, bei dem es vielleicht nicht viele Überraschungen bei der Bandauswahl gab, das hiesige Publikum aber dankbar war, auch mal in ihren Gefilden auf seine Kosten zu kommen. Nicht alle waren unbedingt von der Zelt-Lösung begeistert, böse Zungen würden sagen, es wäre zeitweise Bierzeltatmosphäre gewesen. Hätte es die Meute aber eingeregnet, wäre das auch nicht das Wahre gewesen. Findet das Earthshaker seine Wiederholung, dürfte es auf jeden Fall im Frankenland zu einer festen Institution werden.

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