Konzerte

Veröffentlicht am 10.07.2015 von nemesis

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Summer Breeze Festival 2004, Rückblick

Festival: Summer Breeze Open Air – das waren Zeiten

Dieses Jahr fand zum fünften Mal das Summer Breeze Open Air in Abtsgmünd statt und das war für uns ein Grund dort hin zu fahren und das Jubiläum gebührend mit zu feiern. Die Ankunft war bereits am Dienstag Abend, da wir mit einer 20-köpfigen Belegschaft anreisten und uns einen guten und vor allem großen Platz am Campinggelände sichern wollten.

Wer sich jetzt fragt, was man schon so früh auf einem Festival macht, so ist diese Frage durchaus berechtigt und schnell beantwortet: Man betrinkt sich und erkundet das gesamte Gelände um sich einen ersten Eindruck zu verschaffen. Blöd ist es nur dann, wenn man den Rundgang im alkoholisierten Zustand durchführt, da das Wahrnehmungsvermögen eben doch rapide abnimmt und die langen Fußmärsche irgendwie umsonst waren. Ansonsten haben wir gespannt dem Donnerstag entgegen gefiebert um endlich laute Musik um die Ohren geschmettert zu bekommen.

Fürs härtere Geschwader

Die erste „Pflicht“-Band war die Grindcore-Kapelle GOREROTTED. Die sechs Jungs aus London wussten mit ihren nicht wenigen Fans umzugehen denn die Stimmung war spitzenmäßig. Durch das gegenseitige Anheizen von Band und Fans wurde dem Spaßpegel noch eins draufgesetzt und das Moshpit stetig vergrößert. Die Band an sich lieferte ein hammermässiges Konzert ab, auch wenn das Mikro des Sängers etwas zu leise eingestellt war. Gleich im Anschluss ging es auf der Main Stage weiter mit der schwedischen Formation MÖRK GRYNING. Trotz vieler Fans wollte irgendwie kein zufriedenstellendes Partyfeeling aufkommen. Lediglich die ersten paar Reihen bangten und sorgten zeitweise für Stimmung. Sowohl technisch als auch gesanglich waren die Schweden top und ihre Souveränität schlug sich sehr positiv auf mein Empfinden aus. Trotz häufigem Mitgliederwechsel in den letzten Jahren war dies ein überaus gelungener Auftritt. Ein weiteres schwedisches Knüppelgewitter mit dem Namen VOMITORY brach anschließend über uns herein. Gleich von Anfang an machten die Gustafsson-Brüder plus Mitstreiter klar wie schwedischer Death Metal klingen muss. Ihre geniale Bühnenshow und ihre spielerische Darbietung färbten sich positiv auf die vielen Fans ab, die bis in die letzten Reihen bangten und das Konzert dadurch perfekt machten.

Schwedentod der Extraklasse

Gleich nach dem gelungenen Auftritt von VOMITORY bekamen die Ohren einen musikalischen Richtungswechsel auf der Main Stage zu hören. SONATA ARCTICA legten Melodic Metal an den Tag, der im selben Atemzug mit Genregrößen wie Edguy und Stratovarius genannt werden darf. Für mich persönlich war der Auftritt der Finnen ein absolutes Highlight, obwohl ich generell mit dieser Art von Musik nicht viel am Hut habe. Schade war nur, daß trotz der vielen Fans nur wenige bereit waren, die gute Stimmung der Band zu erwidern. Sowohl technisch als auch gesanglich war der Gig eher mittelmäßig, aufgrund der schlechten Abmischung des Sounds. Logischerweise wirkte sich das negativ auf das Publikum aus und deswegen auch nur die minimale Teilnahme am Auftritt.

Sauerstoffzelt?

Aber wer die Band mochte, ließ sich den Spaß nicht verderben und verausgabte sich bis zu Schluss, schließlich zeugt ein verpatzter Auftritt nicht von einer schlechten Band. Nach diesem Auftritt geschah das Unfaßbare. Vom Durst geplagt, begaben wir uns in den VIP-Bereich um uns etwas Eisgekühltes zu holen. Gesagt, getan. Wir versumpften am Jim Beam–Stand und das wurde uns zum Verhängnis. Durch etliche leere Becher auf dem Tisch sorgten zwei langhaarige Pressefutzies für Aufsehen. Ein Bandmitglied von GOREROTTED fand das so witzig, daß wir prompt von ihm als „Freaky Journalists“ betitelt wurden. Nach einem kurzen Plausch mit dem ebenfalls gut alkoholisierten Herrn traten wir die Heimreise zum Campingplatz an, was im betüterten Zustand nicht wirklich leicht fiel. Logischerweise ging es dort noch bis in die Nacht hinein weiter.

Frisch aus der Koje weiter bangen

Freitagmorgen waren die ersten Spuren des Vortages erkennbar und wir machten uns halb tot auf den Weg zum Frühstücken. An diesem Tag hätte ich mir nie gedacht, daß es ein Leben nach dem Frühstück gibt, aber das tat es. Gut gestärkt aber noch halbschlafend begann der Tag mit den schwarzmetallischen Klängen von DARK FORTRESS auf der Pain Stage. Das Wort „Pain“ hatte an diesem Tag seinen Zweck erfüllt, denn ohne Rücksicht auf Verluste knüppelten die Corpsepaint-Jünger die Ohren derer wach, die sich zu der Zeit noch im Halbschlaf befanden (wie ich). Trotz der relativ „unchristlichen“ Zeit (wahrscheinlich genau deswegen) waren irre viele Fans vor Ort und gingen dementsprechend ab. Das war auch kein Wunder, denn die Radaubrüder wußten, wie sie das Publikum in ihren Bann ziehen mußten, um eine gewaltige Stimmung zu erzeugen. DARK FORTRESS zeigten einen durch und durch gelungenen Auftritt und selbst die etwas zu leise Einstellung fiel wegen der genialen Stimmung nicht wirklich ins Gewicht. Kleiner Tipp am Rande: Wenn ihr die Möglichkeit habt, auf ein DARK FORTRESS–Konzert gehen zu können, tut es. Es lohnt sich.

Vintersorg ganz groß

Nicht wirklich entspannend für die müden Ohren ging es weiter mit VINTERSORG, die einen ganz eigenen Musikstil entwickelten. Experimentiert wird mir Teilen aus dem Death Metal-, Prog Rock- und aus dem skandinavischen Folk–Bereich. Regungslose Teilnahme am Konzert ist also ausgeschlossen, dachte ich. Die Realität bewies mir aber das Gegenteil. Trotz der vielen Fans kam nur dann Stimmung auf, als Lieder wie „Ödenmarken Son“ und „Till Fjälls“ beispielsweise gespielt wurden. Die beiden gleichnamigen Alben sind aber auch zugegebenermaßen die Besten der bisher veröffentlichten Werke der Band. Positiv fiel mir aber auf, daß die Stimme beim Auftritt den gleichen Wiedererkennungswert hatte wie auf den Silberlingen. Auch technisch ließen die Schweden nichts anbrennen und bewiesen großes Live–Potential. Es war trotzdem ein schönes Erlebnis, VINTERSORG mal live zu sehen.

Der gute alte Onkel Tom in action

Auf der Main Stage prügelten sich dann Tom Angelripper und seine Mannen von SODOM die Seele aus dem Leib. So viele Freunde der schwermetallischen Klänge habe ich die vergangenen zwei Tage noch nicht gesehen und die bombastische Stimmung und das pausenlose Stagediving verriet, welch hohen Beliebtheitsgrad SODOM genießen, und das zu Recht. Mit Klassikern wie „Ausgebombt“ verwandelten sie den Gig in ein Schlachtfeld tobender Fans. Bei diesem Auftritt lief aber auch gar nichts schief. Die Pyrotechnik war gigantisch, es herrschte eine tinitusverdächtige Lautstärke und die technische und musikalische Versiertheit der Männer war phänomenal. Am Abend sorgten dann DIE HAPPY für helle Aufregung und teilweise – äh, nennen wir es auch physische Begeisterung – bei den Männern. Wenn eine Frau weiß, wie sie ihr männliches Publikum auf Touren bringen muß, dann ist es eindeutig die Frontfrau Marta Jandovás. Nicht nur durch ihre Optik sondern auch durch ihre Stimme und ihre Quirligkeit beeindruckte sie die Massen.

Die Happy noch am Anfang

Die Formation aus Ulm konnte sich über viele Zuhörer freuen die auch nach allen Regeln der Kunst zu einer gigantischen Stimmung beitrugen. Nach der Zugabe „Super Sonic Speed“ verabschiedeten sich DIE HAPPY und hinterließen definitiv einen bleibenden Eindruck. Schade für die Männerwelt war nur, daß sich die gute Marta trotz Zurufen wie „Ausziehen“ nicht entblösen wollte. Als Trostpflaster brillierte die Band aber durch eine geniale Bühnenshow und technischem Können. Dann war es endlich soweit, der Grunzgott Chris Barnes meldete sich zu Wort. Es herrschte Ausnahmezustand bei SIX FEET UNDER. Der halbe Campingplatz pilgerte zu den Death Metal–Göttern aus Californien, und sollte nicht enttäuscht werden. Wer hätte jemals gedacht, daß aus dem Nebenprojekt des ehemaligen Grunzers von Cannibal Corpse purer Ernst wird und die Band sich zu einem festen Bestandteil im Death Metal mauserte!? Die vielen Fans zeigten ihre Dankbarkeit durch eine Wahnsinnsstimmung und ein Stagediving der Extraklasse, die ich davor nur bei Obituary erlebt habe. Die Sicherheitskräfte im Graben hatten alle Hände voll zu tun um die Stagediver gesund und munter auf den Boden zu bringen. Als Zugabe war, wie erwartet, „TNT“ vorgesehen. Ich war so frei und habe mir nach dem Konzert einige Meinungen des Publikums eingeholt. Bis auf ein paar wenige war die Resonanz sehr gut und für viele ein einmaliges Erlebnis. Bei diesem Auftritt funktionierte einfach alles perfekt. Ich muß aber ehrlich gestehen, schon bessere Auftritte von SIX FEET UNDER gesehen zu haben, aber dafür war die Stimmung der kochenden Fans hervorragend. Leider gab die kalifornische Knüppelfraktion keine Interviews, was speziell ein Kollege sehr bedauerte.

Überlebenskampf im Fotograben

Nach so einem harten Konzert und einem allgemein stressigen Tag ließen wir uns am Guinessstand nieder und begossen unsere Müdigkeit mit einigen kühlen Bierchen. In Sachen Bands begann der Samstag mit SCHANDMAUL. Die Bayern wissen, wie man traditionelles Volksliedgut, mittelalterliche Musikformen und Rockmusik vermischen muss, um einen Musikstil zu kreieren, der die Massen bewegt und mitreißt. Die Stimmungsmacher haben diesem Titel wieder einmal alle Ehre gemacht und das große Publikum voll und ganz miteinbezogen. Auch die Bühnenshow, geprägt durch Tanz und immer wechselnde Instrumente, war wie immer Spitze. Lieder wie „Walpurgisnacht“ und „Gebt 8“ (was auch die Zugabe war) brachte das Publikum bis an ihre Grenzen. Bedauernswert war nur, daß die letzten Reihen nicht von der zu übermitteln versuchten guten Laune überrannt wurden. Aber u so mehr traf es dann die vorderen und mittleren Reihen, die mit dem Springen und Tanzen gar nicht mehr aufhören wollten. Das Konzert an sich war ein großer Erfolg, was mich für die Band sehr freut. Ich habe auch noch nie so fassettenreiche Vollblutmusiker erlebt, die privat noch dazu absolut am Boden geblieben sind. Meine absolute Empfehlung, sich SCHANDMAUL live anzusehen. Die letzte Band, die wir uns an diesem Tag ansahen, waren ENSIFERUM aus Finnland. Um die Melodic Death Metaler mit deutlichen Folkeinflüssen sammelten sich viele Fans, die sich trotz dem wechselhaften Wetter nicht vertreiben ließen.

Ensiferum absolute Oberklasse

Positiv zu erwähnen war die Stimmgewalt der Finnen. Mal kreischend und gröhlend und dann wieder klare Gesänge und Chöre. Wenn das mal nicht Abwechslungsreichtum vom Feinsten ist! Ein wahrhaft stimmliches Meisterwerk was die Suomi–Söhne darboten. Ein großes Lob geht aber auch an die Keyboarderin der Band. Sie stellte ihr musikalisches Können sehr gut unter Beweis und erstaunte die Fans durch etliche Mosheinlagen während des Spielens. Die Stimmung war gigantisch und unvergesslich, alleine schon wegen des Musikstils. Danach ging es ab nach Hause. Drei Festivals in Folge haben Spuren hinterlassen und ich für meinen Teil kann und will die nächste Zeit kein Zelt und keine Dixi–Klos mehr sehen. Wer bisher noch nicht auf dem Summer Breeze Open Air war, bekommt jetzt noch einen allgemeinen Eindruck darüber.

Details in der Organisation am Rande

Was mich persönlich sehr positiv berührt hat, war die Plattform in der Mitte des Bühnengeländes. Diese wurde extra für Rollstuhlfahrer errichtet, damit auch diese wichtige Personengruppe die Möglichkeit hat, die Bühnen und somit die Bands ohne Probleme zu sehen. Ich verstehe ehrlich gesagt nicht, warum das Veranstalter anderer Festivals nicht auch immer machen, der Platz dafür wäre überall gegeben. Dafür ein dickes Lob an den Veranstalter des Summer Breeze.

Positiv waren außerdem die Food– und Non–Food–Stände, die sowohl von der Auswahl als auch vom Preis überzeugend waren. Wer seine Verpflegung für den Campingplatz vor Ort kaufen wollte, hatte im Dorf einige Möglichkeiten dies zu tun. Nur ein kurzer Fußmarsch war dafür zurückzulegen. Ein großes Lob geht auch an die Sicherheitskräfte und Sanitäter, die überaus freundlich waren und jederzeit mit Rat und Tat zur Seite standen.

Aber leider gibt es nicht nur positives zu berichten. Es geht hierbei um das leidige Thema der Toiletten.

Leidig, aber nötig – das Dixie zum krönenden Abschluß

Es waren zu wenig Dixis auf den Campingabteilen vorhanden. Als Ausweichmöglichkeit gab es dann noch Toilettenwägen, bei denen man 0,30 € zahlen musste. Gut, das ist weiter nicht tragisch, das Problem war nur, daß man nach Mitternacht vor verschlossenen Toren stand, wenn man die Örtlichkeit aufsuchen wollte. Dann mußte man auf ein Dixi und das am Besten mit Taschenlampe weil keine Beleuchtung. Den Herren der Schöpfung kann das ja egal sein, aber die Mädels hatten dadurch ein großes Problem. Alles in Allem kann man aber sagen, daß das Summer Breeze trotz des schlechten Wetters dieses Jahr ein großer Erfolg war. Das sah man an der Besucherzahl, die jedes Jahr größer zu werden scheint und dem friedlichen Zusammenleben der Festivalbegeisterten. Die Bandauswahl war dieses Jahr Klasse und ich bin auf das Bandbilling im nächsten Jahr gespannt.

photocredit: By Cecil (Own work) [GFDL, CC-BY-SA-3.0 or CC BY-SA 2.5-2.0-1.0], via Wikimedia Commons

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