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Veröffentlicht am 09.08.2015 von nemesis

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Evergrey

Solitude Dominance Tragedy

Wäre es nicht so arm, würde ich verstehen, dass es mir, während diese Platte läuft, kalt den Rücken runter läuft – aber wie. Eines verspreche ich Euch: Es dürfte wohl niemanden geben, der bei Evergrey´s Schandtat nicht mindestens bei einem Song Gänsehaut bekommt. Und das ist noch milde ausgedrückt, bereits von der ersten Sekunde an hat man das Gefühl, in eine Art Welt zu sinken und sich dort, zumindest für die Dauer dieser Scheibe zu verlieren. Allein der Gesang ist schon eine Klasse für sich, ausdrucksstark ohne Ende und einnehmend.

Wer angesichts dieser CD noch mal behauptet, Metal Sänger würden nur schreien, wird es wohl nie lernen. Das musste mal gesagt werden. Evergrey´s Frontmann ist sicher eine Ausnahmeerscheinung, die auch unter den Besten noch heraussticht, aber allgemein ist es doch an sich so, dass man in diesem Musikbereich durch eine Menge wirklich kompetente Sämger und Sängerinnen ausmachen kann.

Mehr Gefühl kann man als Vokalakrobat nicht in seine Interpretation legen. Bezieht man noch mit ein, dass Sänger Tom S. Eglund auch teilweise für die Keyboards und die Gitarrenpfiffelei verantwortlich ist, möchte ich nicht wissen, was in diesem Menschen vorgeht. Bestes Beispiel: Nosferatu, Song Nummer Zwei dieser Scheibe. Dieses Stück ist derart intensiv, dass es wirklich schmerzt, auch wenn das sehr nach Pathos klingen mag, ist es aber nicht. Der geht einfach wirklich derbe unter die Haut, das Zusammenspiel ist absolut erstklassig, sowohl hinsichtlich der Harmonielines wie auch der Rhythmik und dem Gesamtfluss.

Auch das restliche Material geizt nicht mit Ausflügen in tiefe emotionale Regionen, und so ergibt der manchmal leicht progressive, kraftvolle und auch düster-schwermütige Metal der Schweden eine Mixtur, die ich ehrlich gesagt mit keiner anderen Band vergleichen kann.

Mal hat es die Wucht und Kraft von Power Metal, dann wieder die Schwere und Melancholie des Gothic, für Dark Rock ist es schlicht zu heavy, für Doom zu lebendig, für reinen Prog nicht verfrickelt und kompliziert strukturiert genug. Scheint, als haben Evergrey hier wirklich die perfekte Mischung für sich selbst gefunden, die den Grundideen perfekt passt, auch inhaltlich ergibt sich ein Gesamtbild. Klar haben nun Evergrey nicht das Patent für DEN melodischen Metal schlechthin, der so ziemlich alles miteinander verbindet. Aber in ihrem Universum auf jeden Fall. Diese Scheibe ist ein wahrer Diamant, bei dem sich zu unwahrscheinlicher Intensität auch noch viele technische Finessen und intelligentes Songwriting mit den berühmten Nuancen, die einfach die absolute Kirsche bilden, gesellen. Mut zu fühlen ist gefragt.

photcredit: By Cecil; with permission of Nosturi-organiser Elmu ry (Own work) [GFDL or CC BY-SA 4.0-3.0-2.5-2.0-1.0], via Wikimedia Commons

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