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Veröffentlicht am 17.11.2015 von nemesis

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Tierra Santa und ihre Texte Teil 2

So sollte der Held gestrickt sein

Kämpferische Einstellung zur Welt und zum Leben: der Held ist vor allem Kämpfer und Krieger. Er soll gegen alles ankämpfen, was er nicht für richtig hält, auch wenn der Kampf von vornherein aussichtslos erscheint. Er musste kein Berufskrieger sein, sondern konnte auch einer anderen Tätigkeit nachgehen. Es kam nur darauf an, dass er neben dem Beruf auch Fähigkeit besitzt, sich als Kämpfer zu bewähren.

Selbstbehauptung aus eigener Kraft: der Held verlässt sich auf sich selbst, Unterstützung braucht er nicht abzulehnen, er darf sie aber nicht verlangen oder erwarten. Deshalb bestand wenig Verständnis für soziale Bindungen und das Gemeinschaftsgefühl war hauptsächlich auf die Familie bezogen, allenfalls noch auf den Stamm.

Ehre und Stolz als höchstes Gebot des Handelns, dem alles nachzustellen ist. Die Ehre besteht in dem verpflichtenden Bewusstsein des eigenen Heldentums. Die Kontrolle des eigenen Selbst und die Ausrichtung des Handelns auf das Heldentum werden in absoluter Form abverlangt. Nach der eigenen Kontrolle ist vor allem die Anerkennung durch die Umwelt wichtig, deshalb war der Held um Ruf und um den Nachruhm bei den nachfolgenden Generationen besorgt.

Rache – ein ewiges Thema

Eine Form der Vergeltung unter einfachen Rechtsverhältnissen ist die Blutrache, die auch Blutfehde genannt wird. Die Tötung oder Ehrenkränkung eines Gruppenangehörigen durch einen Angehörigen einer anderen Gruppe wird gerächt, indem der Täter selbst oder ein sonstiges Mitglied seiner Gruppe getötet wird. Im 1. Buch Moses, 4. Kapitel, ist bei der Verfluchung des Brudermörders Kain ein Hinweis darauf zu finden, dass bei den Israeliten die Blutrache üblich war.

Im Alten Testament war es Gott vorbehalten, Vergeltung zu üben, nicht den Menschen: ‚Die Rache ist mein‘, im Neuen Testament bezieht sich der Racheakt aber auch auf Menschen: ‚Auge um Auge, Zahn um Zahn‘. Auch in den nordischen Heldenliedern der Edda sind solche Hinweise zu finden. Dabei wird vor allem die moralische Pflicht herausgestellt, die Blutrache zu vollziehen.

Es geht bei der Blutrache nicht nur um die Befriedigung von Rachegelüsten, sondern es steht auch die Wiederherstellung der Ehre eines einzelnen oder einer Gruppe im Vordergrund.

Das Roland-Lied

Die Rache ist auch ein zentraler Bestandteil im Rolandslied: In einigen Ausgaben werden Geschehnisse genannt, die vielleicht nicht unbedingt aller unter dem Begriff ‚Rache‘ zusammengefasst werden können, aber das, was geschieht, muss den Seelen der Gefallenen zugute kommen: der Kaiser soll Vergeltung für die gefallenen Helden üben, der ihnen zugefügte Schmerz soll gerächt werden.. Das Rächen der Toten ist unumgänglich und wird vom Grafen Naimes und dem Engel gefordert und vom Kaiser verübt, und der Himmel leistet durch das Sonnenwunder Hilfe, so dass auch hier eine die Vergeltung innerhalb einer religiösen Konnotation zu finden ist.

In einzelnen europäischen Randgebieten hielt sich (und hält sich immer noch, wie bereits in der Einleitung erwähnt) die Blutrache bis ins 20. Jahrhundert, so etwa in Albanien und Montenegro, in Serbien, im Kaukasus, auf Korsika und auf Sardinien. Die Blutrache der Italiener ist unter dem Namen ‚Vendetta‘ bekannt und berüchtigt geworden. Das Verheerende an der Blutrache ist, dass der Rächer selbst auch wieder als Schuldiger gilt und von der gegnerischen Familie verfolgt wird. Auf diese Weise entsteht eine Kette von Mordfällen ohne Ende, die ganze Sippen ausrotten kann.

Blutrache

Die Blutrache ist seit Homer Teil ein Verhaltenskodexes der Männer: Verwandte und Freunde eines Ermordeten hatten die Pflicht, den Mörder zu töten, denn erst dann ist der Rachedurst des Ermordeten gestillt. (gemeint ist hier insbesondere der Zorn des Achill, der gleich zu Anfang von Homers Ilias dargestellt wird.

Die werten Griechen

Achill zieht mit Phoinix und Patroklos in den Trojanischen Krieg. Im Streit um ein Mädchen verweigert Achill dem Führer der Griechen, Agamemnon, den Gehorsam und zieht sich aus dem Kampf zurück. Die seither siegreichen Trojaner bedrängen das griechische Lager. Zur Abwehr ergreift der Freund Patroklos die Waffen des Achill, wird aber von Hektor erschlagen. Darüber maßlos erzürnt, nimmt Achill blutige Rache an Hektor.

Siegestrunken schleift er die Leiche des Erschlagenen um die Mauern Trojas.) Dies in den archaischen Gesellschaften (Sardinien, Korsika, Sizilien, Montenegro, Albanien, Kreta) weit verbreitet. Eindeutige Beispiele für diese Form der Vergeltung war auch die Totenklage auf Sardinien‚ ein altes Rachelied, das die Anwesenden zur Rache verleiten soll.

Die Seele eines Ermordeten schreit solange nach Rache und findet keine Ruhe, bis sein Tod gerächt ist.

Im Mittelalter unterbanden örtliche oder zeitlich begrenzte Frieden die Durchführung der Blutrache und anderer Fehden. So der Burgfriede, der Markt-, Stadt-, Heer oder Gerichtsfriede, ebenso der Gottesfriede (Treuga Dei) über den Sonntag in der Karwoche und bei der Vorbereitung eines Kreuzzugs. Diese Einschränkungen des Fehdewesens gipfelten schließlich im vom König oder Kaiser verordneten Landfrieden.

photocredit: http://www.metal-archives.com/bands/Tierra_Santa/766

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