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Veröffentlicht am 28.06.2015 von nemesis

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Interview Pink Cream 69

Mogelweg – Worte zum Anlaß von „Thunderdome“

Da wird es kalt, duster, man freut sich so auf seine Winterdepressionen und … nix gibt´s. Pink Cream 69 veröffentlichen im Januar ihr neuestes Studio-Werk „Thunderdome“ und da hat es sich dann mit der kalten Traurigkeit für diesen Winter erledigt. Gitarrist Koffl (Alfred Koffler) versucht unterdessen, den Streß, den die weihnachtliche Jahreszeit mit sich bringt, zu vermeiden, widmet sich der Promotion des neuen Scheibchens und kommt zuerst einmal auf die Verstärkung an seiner Seite auf der Bühne zu sprechen.

Nicht jeder Metaller war schon immer Metaller

„Ich habe nach wie vor Probleme mit meiner Hand. Mittlerweile ist Uwe Reitenauer als Live-Verstärkung mit an der Klampfe und es ist richtig toll, mit ihm zu arbeiten.“ Wer nun in seinem Köpfchen krammt, von welcher Band oder whatever ihm der Name Uwe Reitenauer bekannt ist: Laßt das Denken bleiben, der Gute ist hauptberuflich als Gitarrenlehrer unterwegs und war bisher in keiner Hardrock- oder Metal-Combo, die man kennt. Koffl kämpft sich mit Fokaler Dystonie an der linken Hand herum, eine Krankheit, die man in erster Linie von klassischen Musikern kennt und gegen die es so weit kein greifendes medizinisches Entgegenwirken kennt. So war die Entlastung durch einen zweiten Gitarristen nötig.

„Hoffentlich merkt´s keiner“

„Zudem ist Uwe auch eine Ergänzung für die Band. Klar ist es für mich mit dieser Krankheit schwierig zu spielen, doch live kommen unsere Songs mit zwei Leuten an der Klampfe richtig cool. Ob ein zweiter Mann für diesen Live-Job zu Pink Cream 69 gestoßen wäre, würde ich nicht gesundheitlich zu kämpfen haben… ich weiß es ehrlich gesagt nicht. Im Laufe der Zeit wurde es für mich immer mehr zu einer Quälerei, durch die Entlastung durch Uwe wurden die Beschwerden nun aber weniger, ich konnte mein Spiel umstellen. Ich habe einen Weg gefunden, mich durchzumogeln.“ Nichtdestotrotz gab es auch einen Zeitpunkt, an dem Koffl kurz davor war, alles hinzuschmeißen.

Durch gesundheitliche Barrieren

„Wenn einen das Musikmachen absolut keinen Spaß mehr macht, hat das Ganze keinen Sinn.“ Und mit Schmerzen kann das nicht wirklich die Erfüllung sein. „Ich hatte zu jedem Zeitpunkt den absoluten Support der anderen Bandmitglieder. Fokale Dystonie ist noch nicht so besonders gut erforscht, insofern sieht es derzeit auch mit Heilmethoden schlecht aus. So gab es für mich nur den Weg, das zu akzeptieren und neue Möglichkeiten zu finden. Das ich nicht mehr so weitermachen konnte wie früher, war klar. Es ist auch nicht abzusehen, ob je eine Besserung eintritt. Unterm Strich hat mir die Musik zuviel Spaß gemacht – und tut sie noch immer – als daß ich alles hätte hinschmeißen können. Doch muß es eben auch eine für die Band tragbare Situation sein.“

„Ego-Trips braucht doch keine Sau in einem Team – und eine Band ist nichts anderes“

Bisher sieht und hört man Uwe nur live mit Pink Cream 69, doch schließt Koffl es nicht aus, daß der Gute festes Mitglied in den Reihen der Hardrock-Recken wird und auch demnächst am Songwriting mitbastelt. „Uwe ist sowohl menschlich als auch spieltechnisch ein absoluter Glücksgriff. Es paßt 100-prozentig. Es ist für mich auch kein Thema, daß wir uns live die Soli teilen – er ist also nicht der berühmte Mann im Hintergrund.“ Was also in anderen Bands an der Tagesordnung ist, findet man bei Pink Cream 69 irgendwie gar nicht: Ego-Trips. „Ich kann es für meinen Teil auch nicht verstehen, wie man mit Leuten zusammenarbeiten kann, die man eigentlich gar nicht leiden kann. Musik ist doch eine emotionale Sache.“ Wahre Worte.

Bittere Pille

Und auch die emotionale Seite kommt beim neuen Material der Jungs nicht zu kurz. Kurz und gut: Das Album zeigt sich in bester PC69-Tradition, powert, bietet klasse Melodien und viel Abwechslung. Und eine Cover-Version des Knaack-Klassikers „My Sharona“. „Dieses Stück war mehr ein Zufallsprodukt, da wir zuerst zu wenig Songs aufgenommen haben. Gerade für den japanischen Markt benötigt man einen Track mehr als Bonus auf der Scheibe. So haben wir uns an eine zweite Recording-Session gemacht. Das Album kommt bisher auch durch die Bank sehr gut an, ob wir allerdings bestehen, wird sich erst zeigen, wenn die Platte veröffentlicht ist und die Fans darauf reagieren können – ebenso auch live. Wir sind guter Dinge und selbst sehr zufrieden. Die Zwangspause hat uns meiner Meinung nach gut getan, die Songs klingen frisch. Klar war diese Unterbrechung andererseits auch eine bittere Zeit.“

Koffl über Labels

Mittlerweile sind die Jungs auch bei SPV/Steamhammer gelandet. „Die Leute bei SPV sind hochmotiviert und auch der Vertrieb dieses Labels ist sehr gut. Wir haben von SPV ein wirklich gutes Angebot bekommen – weniger aufs Geld bezogen. Es klang einfach gut und bodenständig. Unser ehemaliges Label Massacre hat auch gute Arbeit geleistet, aber was uns von SPV angeboten wurde, entspricht wirklich unseren Vorstellungen.“ Ab März werden Pink Cream 69 auch wieder live unterwegs sein – nach der Pause könnt Ihr Euch vorstellen, daß die Band darauf besonders heiß ist, wie Koffl auch zugibt.

Kein Lack ab

„Unsere Pause hat auch hier einen Vorteil in petto: Es zeigen sich keine Abnutzungserscheinungen. Ich finde, man sollte einen goldenen Mittelweg finden zwischen Sachen planen und auch etwas gelassen zu nehmen. Klar hätten wir auch nichts dagegen, wenn nun bei uns alles Knall auf Fall gehen würde, „Thunderdome“ auf Platz 1 in den Charts landen würde, hehe. Man muß allerdings bei dem, was man tut und sich vornimmt, immer abwägen, was wirklich wichtig ist. Wir sind eine ambitionierte Band, die lieber eine Sache mehr als eine weniger in Angriff nimmt. Allerdings bestand bei uns stets der Vorteil, daß uns durch unser Management Bottom Row immer der Kopf für die Musik freigehalten wurde. Und das ist auch das Wichtigste.“ Und zum Wechsel zu SPV hat Koffl auch noch einen Comment im Gepäck:

Typisch Ozzy

„Es hängt schlußendlich nicht vom Label ab, ob eine Platte gut ist oder nicht.“ Nee, das sicher nicht. Manchmal scheint es aber damit zusammen zu hängen, welche Chancen eine Scheibe bei einigen Mags etc bekommt. Doch lassen wir das Thema. Was für einige Combos Pink Cream 69 hinsichtlich Vorbild sind, hat Koffl auch noch seine Heroen, die er gern mal auf Tour supporten würde. „Ich verfolge die Szene schon, schließlich interessiert mich die Musik, die wir selbst seit Jahren machen, nach wie vor. Es tummeln sich auch einige junge Bands, die ich gut finde. Allerdings würde mir da keine bestimmte vorschweben, die ich mal gern mit auf Tour nehmen würde. Für mich ist es immer noch so, daß ich eher Wünsche hätte, im Vorprogramm mancher Musiker zu spielen. Van Halen etwa oder Ozzy. Aber das sind halt die absoluten Größen. Ich geb aber zu, daß mir von Ozzy doch die alten Sachen mehr zusagen.“ Und schon kommt einem unweigerlich MTV´s ‚The Osbournes’ in den Sinn. „Wenn jemand so etwas macht, konnte das eigentlich nur Ozzy sein. Es sollte aber nicht zu sehr ausgereizt werden, denn irgendwann ist es auch wieder gut. Doch der Szene hat s mit Sicherheit nicht geschadet, auf diese Art und Weise auch wieder ein wenig mehr ins Rampenlicht zu rücken.“

photocredit: http://www.pinkcream69.de/index.php/pictures/category/34-2013-05-31

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